Samstag, 31. Mai 2014

Campus Galli bei Messkirch: Sie bauen ein Kloster

Mai 2014. Von der unheimlichen Begegnung mit dem unterbeschäftigten Border Collie habe ich ja bereits erzählt. Das Beagle-Hüten war aber nicht der wahre Sinn unseres Ausflugs auf die Schwäbische Alb.


Meine Chefin wollte eine Baustelle besichtigen. Wo ein paar Leute unbedingt nach einem Plan aus dem Jahr 800 ein Kloster bauen wollen - den "Campus Galli". Der Plan für diese karolingische Klosterstadt schlummerte 1200 Jahre in St. Gallen in einer alten Bibliothek, und jetzt wird gebaut! Warum? Weil ein Mann vor vielen Jahren bei einer Ausstellung über Karl den Großen diesen Plan sah und dachte, Mensch, das müsste man mal bauen.

Und dann sah dieser Mann eines Tages einen Film über den Burgbau in Guédelon in Frankreich, wo wir letztes Jahr bestaunt haben, was man mit rein mittelalterlichen Baumethoden (und ohne Leibeigene und Tagelöhner) innerhalb von nicht einmal 20 Jahren alles zustande bringt. Der Bürgermeister von Messkirch ließ sich überzeugen, und jetzt bauen sie seit 2013 fröhlich vor sich hin.

So sieht das aus, wenn man kommt, bevor das Eintrittshäuschen öffnet. Wir haben das Gelände erst einmal umrundet. Wie man sieht, wurde kräftig gerodet. Die eigentlichen Arbeiten spielen sich im Wald ab; man kann von außen überhaupt nichts erkennen.
Im Winter steigen die Rehe über diesen Wall, um drinnen auf dem Feld zu futtern, aber da liegt hier auch jede Menge Schnee. Ich finde den Klosterbau ja völlig überflüssig. Man könnte den Wald doch ganz einfach einer Beaglemeute zur Verfügung stellen, wenn ihn sonst keiner braucht.
Das Kreuz markiert den Beginn der Klosterstadt. Man landet zuerst bei der Hütte des Schreiners.
Der hat zum Beispiel schon einen lehmverputzten Hühnerstall gebaut. Aber Hühner waren da nicht. Der Korbmacher erzählt uns, dass die Hühner den ganzen Tag frei durch den Wald spazieren, Würmer jagen und scharren. Abends ruft sie der Schreiner, und dann kommen sie angelaufen, lassen sich einsperren und legen im Stall ihre Eier. Angeblich! Ich würde sie bereitwillig suchen gehen, aber meine Chefin lässt mich nicht.
Der Korbflechter macht natürlich Körbe. Und alle möglichen anderen Dinge, insbesondere das Flechtwerk für Hauswände und Unterstände für Tiere und Menschen. Er hat auch mal einen Transportkorb für ein verletztes Schwein geflochten, das zum Tierarzt musste. Wir hatten schon gerätselt, was für eine komische Hundehütte das sein soll...
Wir haben gefragt, womit er die Weidenzweige färbt, aber die sind ganz von selbst so bunt. Je nach den Mineralien im Untergrund haben die Zweige unterschiedliche Farben. Sozusagen Tricolor-Weiden.

DA WILL ICH NICHT HIN. Ich höre Krach, und es stinkt so komisch. Kein Wunder: In der Erdhütte hat der Schmied seine Esse aufgebaut. Er stellt Werkzeug für die Handwerker her. Der Blasebalg im Vordergrund ist ein Rechts-Links-Doppelbalg, an dem ein schwitzender Mann sitzt und abwechselnd die zwei Säcke zusammendrückt.
Auf dem Bild unten sieht man gar nichts (finde ich), aber meine Chefin ist total glücklich, weil an dieser Stelle ein Klostergarten mit Heil- und Gewürzpflanzen aus dem frühen Mittelalter angelegt wurde. So etwas liebt sie!
Ein Waldweg führt uns zum künftigen Kirchplatz. Dort entsteht eine Holzkirche, denn angeblich hätte jeder Mönch zuallererst eine kleine Kirche errichtet. Um dieses Herz des Klosters soll später die eigentlich Kirche entstehen.
Das Einzige, wo gemogelt wird, ist das Fundament: Das muss laut deutschen Bauvorschriften anständig aus Beton sein. Aber sonst läuft alles mittelalterlich gemächlich und in Handarbeit ab.

Von der Kirche aus gelangt man direkt zum Marktplatz, wo Waren aus Campus Galli feilgeboten werden (ein bisschen Merchandising hat man auch damals schon betrieben). Wer Hunger und Durst hat, kann sich hier stärken. Oder man spaziert weiter zu den Tieren.
Den Schafen ist ziemlich kalt - sie sind schon geschoren, dabei gab es wieder Nachtfröste. Ihre Wolle wird ein Stück weiter verarbeitet.

Erst drehen die Spinnerinnen die gewaschene Wolle auf Handspindeln zu Fäden. Das Spinnrad war im Jahr 800 nämlich noch nicht erfunden. Es ist eine Errungenschaft des Hochmittelalters, erklärt man uns. Aus den Fäden häkeln die Wollfrauen anschließend Mützen und andere Kleidungsstücke. Die Häkeltechnik ist eher eine Nähtechnik, denn Häkelnadeln gab es auch noch nicht. Der Schmied hatte zum Beispiel so eine Mütze auf.
Gefärbt wird alles nebenan mit Pflanzenfarben nach Geheimrezepten der Färberin. Sie experimentiert unablässig ihren Suds herum - Blüten, Grünzeug, Wurzeln, Rinde und vieles mehr.
Die Seilmacherin dreht aus verschiedenen Bastsorten Seile für unterschiedliche Zwecke. Hundeleinen sind zum Glück nicht dabei; im Mittelalter hatten Hunde ein ziemlich freies Leben.
Auf dem Rückweg kommen wir noch einmal beim Schreiner vorbei - tatsächlich haben sich hier seine glücklichen Hühner mitsamt einem sehr stolzen Hahn versammelt.

Ein spannender Besuch. Wir kommen garantiert wieder und schauen uns an, wie der Klosterbau voranschreitet und eine echte Stadt entsteht.

Tipp: Wir waren an einem Wochentag gleich morgens bei der Eröffnung da, außerhalb jeglicher Schulferien. Da hatten die Handwerker viel Zeit, mit uns zu sprechen, und sie hatten auch richtig Spaß daran, uns ihre Fertigkeiten genau zu erklären. Der Ausflug hat sich richtig gelohnt - auch für mich, denn es ist alles noch ziemlich wild, es gibt viel zu schnüffeln, und ein Hund ist hier gern gesehen.

Montag, 26. Mai 2014

Beagles sind kinderlieb (mit Videotipp)

Mai 2014. Dass Beagles sich normalerweise ausgesprochen gut mit Kindern vertragen, weiß jeder Beaglefreund. Wir kaspern herum, lenken ab und sind für jeden Spaß zu haben. (Meine Chefin wollte gerade schreiben, dass wir keiner Fliege was zuleide tun, aber das wäre gelogen: Fliegen machen mich völlig kirre, und ich jage sie wie besessen!)

Ist noch nicht mal schlimm, wenn sich so ein 1 1/2 jähriges Knirps an meinem aufgestellten Dauerwedelschwanz festhält, weil der nun mal so perfekt in Griffhöhe ist (okay, dieses spezielle Kind hatte auch ständig Waffelherzen in perfekter Schnauzenhöhe parat, die es wacker mit mir teilte - bis meine Chefin merkte, warum das Kind mit dem auffälligen Appetit alle fünf Minuten fröhlich um Nachschub ersuchte).



Dass wir uns aber bei der Babypflege auch total nützlich machen können, könnt ihr auf diesem Beaglevideo auf YouTube sehen, das mein Chef entdeckte. Viel Spaß beim Zuschauen!

Sonntag, 4. Mai 2014

Beagles und Australian Shepherds: Nur einseitig kompatibel

Mai 2014. Meine Chefs entführen mich nach Schiltach. Das liegt ungefähr kurz neben Wolfach, wo wir schon einige Male waren (beim Bärenpark im Wolfstal). Wer sich nicht mehr erinnert, darf im Blog unter dem Stichwort April 2012 nachlesen.
Fachwerkhäuser in Schiltach
Jedenfalls ist Schiltach eine hübsche Fachwerkstadt, wo man anständig zu essen bekommt (zumindest als Mensch).
Der schwarze Hund da drüben ist eine Attrappe, darum fahren wir noch ein ganzes Stück weiter. Dieses Wochenende wollen wir nämlich nicht in den Schwarzwald, sondern rüber auf die Schwäbische Alb und an die Donau.

Als ich endlich wieder aussteigen und einen gemütlichen Rundweg machen darf, treffen wir Tommy. Tommy ist ein Australian Shepherd, der meiner Chefin wegen seiner gelben Füße auffällt. Die hat er allerdings nur im Frühling, wenn er durch die Löwenzahnwiesen wetzt.
Leider darf Tommy keine Schafe hüten. Deshalb hütet er jeden, der sich von denen entfernt, die er gerade als seine Herde definiert.

Zum Beispiel auch ... BEAGLE. Wie er gleich demonstriert, als ich fröhlich zu meinem Lieblingsrennspiel "Ich bin der Hase, und du kriegst mich nicht", ansetze.
Australian Shepherd hütet Beagle
Tommy sorgt dafür, dass ich mich nicht weiter als maximal 20 Meter von meinen und seinen Chefs entferne. Gleich zwei Mal rennt er mich einfach über den Haufen, bis ich mit hängenden Ohren direkt neben meinem Chef stehen bleibe und mich nicht mehr von der Stelle rühre. Meine Chefin erwägt ernsthaft, sich so einen Beagle-Hütehund zuzulegen - sie wäre glücklich und der Shepherd voll ausgelastet. Könnte bitte mal einer MICH fragen???

Aber ich weiß schon, wie ich den klein kriege! Ich brauche einfach eine Beagle-Meute. Das schafft nicht einmal der beste Aussie! Wer unterstützt mich, bitte?

Samstag, 12. April 2014

Ortenauer Weinpfad (2/2): Burg Windeck zur Zwetschenblüte

Sonntag, 30. März 2014. Die Sonne scheint, und meine Menschen wollen sofort nach draußen. Ich auch, klar! Bei uns im Badenländle ist dieses Frühjahr bisher knochentrocken, deshalb sind wir viel draußen, und meine Chefin findet nie mehr Zeit zum Bloggen. Die zweite Etappe des Ortenauer Weinpfads umfasst eigentlich noch Burg Windeck. Das ist unser heutiges Ziel für den Sonntagsspaziergang.

Am Parkplatz in Bühlertal (Wegbeginn bei Bosch) begegnen wir prompt einem erfahrenen Wanderer (auf dem hier üblichen Weg zum Frühschoppen), mit dem meine Menschen über tolle Wege fachsimpeln. Er empfiehlt uns den Rheinsteig, aber wir sind aktuell mal wieder auf dem Weg nach Süden.

Nach einem kurzen Stück durch ruhige Nebenstraßen führt der Weg durch idyllische Hanglagen, wo sich immer neue Ausblicke auf blühende Obstbäume und wachsende Reben eröffnen.

Auf diesem Bild sieht man recht gut, mit welchen Schikanen die Winzer versuchen, die steilen Hänge bewirtschaftbar zu halten. Die Zweige vom Vorjahr spielen dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Die Schnittarbeiten sind seit unserer letzten Tour nun endgültig abgeschlossen. Übrig geblieben ist pro Rebe genau ein Trieb, der an Drähten entlang gelenkt wird.

Oberhalb von Kappelwindeck blicken wir zurück auf die Gemeinden Bühlertal-Untertal und Altschweier. In dem Einschnitt gegenüber, wo sich der Wald tiefer zu ziehen scheint, liegt die Gedenkstätte La Salette, von der wir im letzten Post berichtet haben.

Links im Dunst ruht die Rheinebene - auf in die Berge, sage ich da nur!
An der Fatima-Gedenkstätte beginnt der Aufstieg in den Wald, und ein Stückchen weiter treffen wir überrascht auf den Jakobusstein, auf dem ein fröhlich ausschreitender Jakobspilger abgebildet ist - als Sinnbild des Wanderns in einem freien Europa ohne Grenzen.

Die Steine daneben stammen aus Partnerstädten der Gemeinde.
Darf ich in Zukunft bitte auch frei wandern und ganz ohne Leine?

Danach folgt bald ein Stückchen reiner Waldweg auf natürlichem Untergrund, urig, wie wir es vom Schwarzwaldrand gewohnt sind.

Auf dieser Etappe bieten sich immer wieder herrliche Ausblicke über das Rebland, und man streift abwechselnd durch Wald, Weinberge und Obstwiesen.

Mir gefallen Einblicke wie dieser. Hey, Dachs, jemand zu Hause?
Der Weinpfad biegt rückwärts zum Wald hin ab, wo eine gemütliche Bank wartet.
Wir genießen die Aussicht nach Süden zur Burgruine Windeck.
Dort gibt es zwei Lokale. Für Wanderer, Leute mit Kind und Hund und alle, die es leger lieben, bietet sich der "Pferdestall" an - österlich geschmückt und mit Wiese zum Erholen: Eigentlich wollten meine Chefs eine schnelle Suppe oder Bockwurst, doch dann sehen sie den genialen Kuchen und ziehen vergnügt die Kaffeestunde vor.
Wer gediegener speisen möchte und mehr Zeit mitbringt, kann sich im Hotel-Restaurant umtun. Immerhin sind wir auf einem Genießerpfad, und das sollte man im schönen Badenländle gebührend auskosten.

Von der Burg aus werfen wir einen Blick ins Tal - dort unten wollen wir in einer knappen Stunde den Bus erwischen.

Nach der Burg folgen mehrere kleine Bäche zum Spielen und Trinken. Und natürlich treffen wir Hunde zum Spielen und Hundebesitzer zum Plaudern.
Im Wald hängen überall Haarbüschel an den jungen Tannen. Anscheinend hat die jemand dort festgeknotet. Ich weiß natürlich, von was für Tieren die stammen, nur meine Chefs mit ihren viel zu unempfindlichen Nasen wissen es nicht. Darum haben sie keine Ahnung, wie die Waldbesitzer hier ihre Tännchen schützen wollen.
In Neusatz am Rathaus fährt regelmäßig ein Bus nach Bühl hinunter. Praktischerweise wechselt der hinterher die Nummer und tuckert direkt weiter nach Untertal, wo unser Auto wartet. Kostet nicht mal was extra, weil alles dieselbe Tarifzone ist. Haben wir ein Glück!
Unterwegs rollen wir durch eine gefühlte Million blühender Zwetschgenbäume - dieses Jahr muss es bei den berühmten Bühler Zwetschgen eine Rekordernte geben. Merke: Der Ortenauer Weinpfad bietet Genuss pur, nicht nur für Freunde eines guten Weins.



Sonntag, 9. März 2014

Ortenauer Weinpfad (2): Durchs Baden-Badener Rebland nach Bühlertal

März 2014. Im Murgtal bei Gernsbach, wo wir ja schon öfter waren, haben wir den Anfang des Ortenauer Weinpfads bemerkt. Vor einem halben Jahr haben wir zur Reifezeit der Trauben ganz heimlich die erste Etappe zurückgelegt, die meine Chefin eigentlich im Laufe des Winters posten wollte - nur kam sie nie dazu. Nun haben wir uns quasi selbst überholt; darum gibt es die zweite Etappe in herrlichster Frühlingssonne vor der ersten im Septemberlicht.


Wir beginnen im Zentrum von Baden-Baden am Kurhaus - entweder mit Bahn und Bus zum Leopoldsplatz fahren oder in einem Parkhaus parken. Tipp: Das Parkhaus Congress am Augustaplatz hat oben kostenlose Toiletten! Ich brauche so was ja nicht, aber der Rest der Meute hat sich darüber sehr gefreut.

Anschließend geht es durch die Lichtentaler Allee in Richtung Kurhaus und Trinkhalle, und dann bergauf durch den Park (Foto oben) zur Stourdza-Kapelle, wo man einen hübschen Blick auf das Alte Schloss und die Battertfelsen hat. Den enthalten wir euch jedoch vor, weil es dahinter bereits in den Wald geht. Wir umrunden den Friesenberg in Richtung Beutig immer parallel zum Michelbach, wo wiederholt kleine Weiher zum Trinken einladen.

Die Senke mit mehreren Bacharmen, kleinen Seen und Bänken, die am Waldsee südwärts beginnt, ist der ideale Platz für wasserliebende Labradore (hallo, Ayka!).

Wer ab Juni in diesem Bereich vorbeikommt, sollte laut meiner Chefin unbedingt einen Abstecher zum Rosenneuheitengarten machen, wo jährlich die schönsten Rosen prämiert werden. Es kostet ein kleines bisschen Eintritt, und Hunde dürfen nicht rein. Das ist doof, denn wenn meine Chefin herrliche Rosen sieht, vergisst sie die Zeit... (so wie jetzt, denn dieses Bild ist nicht im März entstanden, sondern im Juni).


Immerhin schnuppert sie dort an jeder Blüte und kann endlich mal nachvollziehen, wie es einem schnupperigen Beagle in der Welt ergeht, wo es einfach an jeder Ecke so spannend riecht.

Ich finde den Krötenschutzzaun spannender.
Die Kröten, Frösche und Salamander, die sich in die Eimer verlaufen sollten, haben aber schon andere Interessenten weggeholt.
Sie sind auf dem Weg zum Michelbach, der gut erzogene Hunde, die kommen, wenn man sie ruft, hier im Tal zum Spielen einlädt.

Wir treffen auch prompt eine patschnasse bayerische Gebirgsschweißhündin, die mangels Schussfestigkeit ein herrliches Leben bei ihrer Zweitbesitzerin führt. Mit der verstehe ich mich gleich - ich bin ja auch nicht schussfest.

Anschließend beansprucht der Golfplatz einen großen Teil des Tals und drängt uns ein paar hundert Meter an die Straße ab. An der Entenstallhütte (kleine Schutzhütte ganz ohne Enten) könnte man zum Fremersberg mit Ausflugslokal hinaufsteigen. Wir setzen jedoch unseren Weg fort und marschieren über vermatschte Waldwege zum Waldparkplatz. Dort kann man auf großen Bänken mit Grillplatz bestens pausieren.
Hier endet der Wald, und wir stoßen ins Baden-Badener Rebland vor. Das sind eingemeindete Dörfer und Städtchen, die am Westrand des Schwarzwalds oberhalb der Rheinebene liegen und ganz auf Weinbau eingestellt sind. Von nun an sind regelmäßig Tafeln aufgestellt, die über die Gegend und den hier angebauten Wein informieren (schließlich sind wir ja auf einem Weinwanderweg). Mir reicht frisches Wasser!
Da hinten erinnert die Josefskapelle an vertriebene Banater Schwaben, die es nach dem 2. Weltkrieg teilweise auch nach Baden verschlug. Ein kompliziertes Kapitel deutscher Geschichte, meint meine Chefin.
Oben auf dem Berg thront die Yburg. Ein saftiger Aufstieg, den uns der Weg glücklicherweise erspart. 
Habt ihr gesehen, dass die Rebstöcke hier total ausgelichtet sind? Nur jeweils ein Trieb bleibt stehen. Die Schnittarbeiten sind voll im Gang. Teilweise liegen die Zweige noch zwischen den Stöcken.

Auf dem Bild unten wurde nur geschnitten; die alten Triebe hängen noch auf den Drähten. Da haben die Winzer in den nächsten Tagen noch viel zu tun.
Rückblick in Richtung Fremersberg und Waldrand:

Allmählich meldet sich der Hunger, doch der Weg streift das Örtchen Varnhalt nur. Meine Chefs reiben sich verblüfft die Augen, denn hier hat jemand mit viel Akribie ein Mini-Schwarzwald-Dorf in eine Felswand gebaut. Mit Eisenbahn, Wasserrad und Kapelle.

Für Kinder gibt es hier jede Menge zu gucken. Und es regt dazu an, das Rheintal zu verlassen und tiefer in den Schwarzwald vorzudringen - zwei Täler weiter sieht es wirklich so aus.

Wir umrunden weiter die Yburg und laufen dabei an Umweg vorbei. Mein Chef sagt, dort unten stehen offizielle Schilder, auf denen steht "Umweg - Baden-Baden", aber das ist kein bisschen Umweg, sondern der direkte Weg nach Umweg.

Gut, dass Hunde niemals auf Um- oder Abwege geraten können!
Immer wieder liegen Stapel mit Rebholz am Wegesrand. Mir sind die Knüppel ein wenig zu dick.
Der Weinpfad windet sich um alle Örtchen und nach wie vor um die Yburg herum und führt erst im idyllischen Neuweier endlich mitten in den nächsten Ort. Mein Chef würde am liebsten im Schloss einkehren (guter Wein!!!), aber dann sehen alle schon von weitem ein Gasthaus nahe der Kirche. Das ist unser Ziel!
Eine gute Entscheidung! Das Landhotel "Traube" ist nämlich vielfach prämiert und bietet köstliches Essen mit phantasievollen Namen - da ist schon das Lesen der Speisekarte ein Genuss.

Auch als verschwitzte Wanderer mit Hund werden wir ausgesprochen freundlich aufgenommen. Meine Chefs bekommen endlich ihren feinen Riesling, sogar einen vom Schloss, und können über die verschiedenen Sorten fachsimpeln. Wir kommen bestimmt wieder!
Nach ausgiebiger Erholungspause nehmen wir das letzte Wegstück in Angriff, auf Seitenstraßen weiter zu den nächsten Weinbergen, wo unterhalb der Fatima-Kapelle der berühmte Affentaler Wein wächst.

Affen am Schwarzwaldrand? Wir treffen erst einmal einen ziemlich großen Beagle, der uns schon aus einiger Entfernung fröhlich entgegenwedelt und die Beagledichte in Deutschland anhebt.
Aber die Sache mit dem Affental lässt meinen Chefs keine Ruhe. Des Rätsels Lösung: In der Nähe des mittelalterlichen Klosterweinbergs stand eine Kapelle, die regelmäßig zum Ave Maria-Gebet läutete. Das Tal, wo man dieses Geläut hörte, hieß dann bei den Leuten rasch das "Ave Tal".

Was die Hamburger Flagge jedoch in diesem Weinberg zu suchen hat, erschließt sich uns nicht.

Hier hat sich mal wieder ein Jäger verkünstelt. Der Hochsitz ist so filigran, dass es einen hochgeklappten Haltebügel gibt, wahrscheinlich damit der Jäger nicht herunterpurzelt, wenn er auf dem Ansitz einnickt.

Ich will weiter, denn ich bevorzuge andere Jagdmethoden. Gebt mir eine Spur!

Um den Weg zu finden, brauchen wir keine Fährte, sondern können uns fest auf das Symbol mit der blauen Traube auf roter Raute verlassen, das getreulich zeigt, wo es weitergeht.

Der hier wachsende blaue Spätburgunder stammt als älteste Traube der Welt angeblich aus dem ägyptischen Niltal und kam über die Römer und das Burgund irgendwann bis nach Deutschland.



Kurz vor Bühlertal passieren wir die Statue der weinenden Madonna von La Salette, die im 19. Jahrhundert in einem französischen Alpendorf zwei Hirtenkindern erschienen sein soll.

Der Pfarrer von Bühlertal-Altschweier, Paul Herb, hat diesen Wallfahrtsort besucht, und als während der großen Flurbereinigung in den 70er Jahren alte Kapellen und Wegkreuze verschwanden, beschloss die Gemeinde, hier eine Gedenkstätte zu errichten, der die französischen Statuen nachahmt und an das Heiligtum erinnert.

Es ist ein stiller Ort in einem Einschnitt zwischen den Weinbergen, der auch daran erinnern soll, wie mühsam die Arbeit hier mit den Terrassen, Treppchen und Trockenmauern vor der Flurbereinigung war.
Kurz darauf erreichen wir Bühlertal-Untertal, unser heutiges Ziel. Offiziell geht diese Etappe noch ein Stückchen weiter, aber wir wollten nicht ganz zum Schluss noch zur Burg Windeck hochkeuchen. Zum Einlaufen für die Wandersaison waren die rund 16 Kilometer mit wenig Steigung und Gefälle uns genau recht.