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Freitag, 28. Mai 2021

Hab meine Chefs heil durch die Corona-Zeit geführt - geschafft!

Mai 2021. Meine Chefs waren im vergangenen Jahr so glücklich, dass sie mich hatten. So mussten sie täglich raus. Mehrfach. Und sogar nachts durften sie mit mir ins Freie. Da man praktischerweise nicht drinnen sein sollte, waren wir ganz viel draußen und haben sehr hübsche Plätzchen entdeckt - an der Pfinzquelle zum Beispiel, die meine Chefs ziemlich suchen mussten (ich wusste natürlich gleich, wo es lang geht).

Auch den Weg auf die Falkenfelsen habe ich für sie gefunden - bitte sehr:


Kreuz und quer durch die Schwäbische Alb sind wir zusammen getrabt, zum Beispiel durch das Eselsburger Tal. Da ist es ungefähr so schön wie in Südfrankreich, und es war lange nicht so weit.
Zum Glück gibt es da für heiße Tage auch die Brenz, einen Teich zum Pfoten kühlen und einen schattigen Rückweg durch den Wald.


Im letzten Herbst haben wir uns sogar noch in die Berge oberhalb des Chiemsees getraut. Da wussten meine Menschen aber schon, dass ich ein alter Herr von 13 Jahren bin, der so einen Berg nur noch gemächlich erklimmt (oder in der Gondel). Und dass ich anschließend bitteschön einen Tag Pause möchte. Auf weichen Kissen oder grünen Wiesen.


Dann kam der laaange Corona-Winter. Ich war auf der Suche nach Sonne und Wärme.


Immer wieder hatte ich Bauchgrimmen und Durchfall und Rückenschmerzen, und ich wurde immer dünner. Das lag aber bestimmt nur an dem vielen Blut, das die Tierärztin mir abgezapft hat, um rauszukriegen, was ich habe. Sogar in den Park war es am Ende so weit, dass man mich mit dem Auto abholen durfte.


Fressen wollte ich nur noch manchmal, ganz gleich, was meine Chefs so anstellten. Ein derartiges Aufgebot an Luxusfutter und extra nur für mich gekochtem Menschenessen - das hätten sie sich ruhig früher überlegen dürfen.


Zum Gassigehen oder zum Tierarzt wollte ich getragen werden. Autsch, die alten Knochen taten ganz arg weh. In der einen Woche lief ich plötzlich ganz schief, und an einem Tag habe ich ganz wild gezuckt, das war ziemlich doof. Hinterher wusste ich gar nicht so genau, wo ich war. Immerhin hatte die Tierärztin ein tolles Schmerzmittel für mich, das meine Chefin in unwiderstehliche Leberwurstkügelchen verpackt hat.

Anfang Mai war es dann so weit: Mein Chef bekam seine Impfung. Sie haben mich mitgenommen, weil sie mich nicht mehr allein lassen wollten. Oder weil ich wenigstens diesen einen Morgen noch auf ihn aufpassen sollte? Okay, hab ich gemacht. Ich wurde ja schon ganz oft geimpft und weiß, wie das ist.

Aber genau an dem Tag habe ich mir nachher so blöd das Bein vertreten, dass ich beim Heimkommen trotz der Schmerzmittel laut fiepte und die Tierärztin richtig traurig guckte, als sie mich untersuchte. Sie hätte mich operieren müssen ... Meine Chefs waren auch total traurig - sie hatten gedacht, dass ich irgendwann einfach einschlafe. Was für ein Unsinn! Ich wollte doch bis zuletzt im Arm sein und mich verabschieden.

Jetzt tut mir nichts mehr weh. Nie mehr.


Nachdem auch meine Chefin geimpft war, haben sie meine Asche über die Wiese auf dem Dobel getragen. Von dort aus haben sie all die Orte betrachtet, die wir gemeinsam erkundet haben, und sich viele Geschichten erzählt. Dann haben sie die Asche im Wald verstreut, an eine Stelle, die ich bestimmt sehr gerne gründlich durchgeschnüffelt hätte. Der sanfte Mairegen hat später alles in den Boden gespült.

Meine Chefin glaubt nicht so recht an die Regenbogenbrücke. Also musste ich ihr überdeutlich zeigen, wo die ist: Genau vom Dobel aus in den Himmel hoch.
Nette Meutehunde wie wir Beagles laufen darauf sogar in Begleitung. 


Und damit das klar ist: Ich habe schon einem anderen Hund zugeflüstert, dass bei uns ein Körbchen frei geworden ist. Also hoffe ich, dass bald Schluss ist mit den Tränen. Und dass sie erkennen, wo ihr neuer Kumpel auf ein anständiges Zuhause und viele Abenteuer wartet.


















Sonntag, 4. September 2016

Generalüberholung für den Beagle

Sommer 2016. Diesen Sommer gab es weniger Wandergeschichten. Meine Chefin folgte einer verqueren Logik: Sie war überarbeitet, nahm sich etwas länger frei, und prompt bekam ich nicht nur die üblichen Impfungen, sondern gleich eine Generalüberholung. Wenn schon Narkose, dann richtig!
Man hätte ja mal vorher fragen können, was ich dazu sage. Eine miese Wucherung am Augenlid (harmlos, aber blöde Stelle), die ollen Warzen am Bein, die ich mir immer aufgeknabbert habe, und Zahnstein. Wo sie schon dabei war, hat die Tierärztin auch gleich zwei Wackelzähne gezogen.

Ich tat mir danach erst einmal gewaltig leid (und allen anderen auch). Wasser trinken war echt kompliziert. Fressen auch. Treppe runtergehen ging gar nicht; die Chefs mussten mich immer tragen (voll gerecht!). 
 Immerhin bekam ich Schmerzmittel. Und Antibiotika in Leberwurst. Und VIEL Knuddel und großes Bedauern. Außer von den anderen Hunden. Die haben sich bei meinem Anblick vermutlich an eigene unschöne Erlebnisse erinnert und mich sicherheitshalber nicht als Hund eingestuft. Ich wurde ganz schön gemobbt von meinen "Freunden".
Den Kragen musste ich fast zwei Wochen rund um die Uhr tragen, ohne Gnade. Bei dem ganzen Schlamassel habe ich mir auf der Wiese prompt die Pfote verstaucht. Da war ich ein total lädierter Beagle mit Narben, Kragen UND dreibeinig und wurde auch noch geröntgt. Schonen, Kühlen und Leinenzwang, sagte die Tierärztin.
Das heißt, ich musste selbst nach dem Fädenziehen brav in der Wiese sitzen, während meine Chefin Schmetterlinge fotografierte. Inzwischen kann ich aber wieder toben und hüpfe danach nicht mehr auf drei Beinen aus dem Gras.
Alles ist gut verheilt, und wir waren auch schon wieder auf kleineren Wandertouren. Davon erzählen wir demnächst.



Samstag, 14. Mai 2016

Ortenauer Weinpfad (5/2) und (6/1): Von Burg zu Burg ins Kinzigtal

Mai 2016. Da war doch noch was, dachten meine Schönwetterwandererchefs. Ja, genau, vom Ortenauer Weinpfad waren noch Etappen übrig. Nachdem wir letzten Herbst bis Schloss Staufenberg spaziert sind, geht es bei herrlichem Sonnenschein ab Durbach wieder los.
 Meine Chefin lässt sich lieber von den Fotomotiven leiten anstatt von der Karte.
 Deshalb traben wir geradeaus, anstatt gleich hinter dem Ortsrand rechts abzubiegen (wo man bequem im Tal bleiben könnte). Zum Glück gibt es genügend Wege durch die Weinberge, die uns wieder zurückführen, und wir genießen die Aussicht. Im Norden thront Schloss Staufenberg über dem Ort.
 Seht ihr was? Ich bin ohne Leine unterwegs. Kein Fahrzeug weit und breit, nix zu jagen, alles bestens! Das mitgebrachte Wasser tut gut.
 Die Reben sind noch ganz jung und frisch.
 Kurz hinter Durbach folgen immer wieder kleine Abschnitte durch den Wald mit Bächen. Und gelegentlich auch hübsche Brunnen.
An der Wolfsgrube kurz vor Zell-Weierbach warten keine Wölfe, sondern ein paar Ziegen und ein familiäres Lokal des Schützenvereins, das perfekt auf Wanderer und Familien eingestellt ist. Da kann man prima Kräfte tanken.

Die fünfte Etappe geht ab dem Wetterfähnle nach Zell-Weierbach hinunter. Wir gehen gleich in Etappe 6 über und umrunden weiterhin in langen Schleifen die Hänge.
 Bald nähern wir uns dem Weingut Schloss Ortenberg und der Ortenberger Panoramaweg versorgt uns mit ausführlichen Informationen über die Böden, die Reben (mit wirklich interessantem Rebenlehrpfad) und über die Geschichte zu finden: Hier wird an russische und französische Kriegsgefangene aus dem 1. Weltkrieg erinnert, die an diesen Mauern gearbeitet haben.
 Da drüben wartet das Schloss. Da drin ist jedoch nicht das Weingut und auch kein Wirtshaus untergebracht, sondern eine äußerst beliebte Jugendherberge. Meine Chefin hat ein Faible für Jugendherbergen - tolle Lage und oft in historischen Gemäuern -, nur leider sind Hunde in den meisten nicht erlaubt.

Zwei Radfahrerinnen rauben uns die Illusion, wir wären gleich dort. Denn zwischen uns und der Burg liegt noch ein recht langer Taleinschnitt. Hinter der Burg beginnt das breite Kinzigtal, das den Nordschwarzwald vom Südschwarzwald trennt. 
 Wir sind schon ein bisschen müde, steigen aber doch in die Burg hoch. Das ist tagsüber erlaubt, und oben wartet ein hübscher Garten mit schattigen Bäumen, in dem man entspannen kann und eine herrliche Aussicht über das Tal genießt. Wir beobachten eher die Vögel, die im Brunnen baden.
 Für diesen Durchgang musste ich meinen ganzen Mut zusammennehmen. Die Ketten waren mir sehr unheimlich.
 Es ist warm geworden, und wir freuen uns über jeden schattigen Abschnitt. In den Tälern sprudeln dann hundegerechte Bäche, und an den Ortschaften warten blühende Obstbäume.
 Dieser Holzstoß ist nur einer von vielen. Das Kaminholz, das hier um die Häuser lagert, nimmt überhaupt kein Ende und reicht bestimmt für drei Winter.
 In Ohlsbach wartet unser Zimmer. Meine Chefin träumt davon, anderntags die sieben Kilometer bis Gengenbach weiterzulaufen und dann die allerletzte Etappe des Weinpfads anzuhängen.

Ich denke mal, das diskutieren wir lieber morgen aus...


Mittwoch, 4. Mai 2016

Ohne Hund in Singapur

Frühling 2016. Meine Chefs waren weg. Ohne mich. In einem fremden Land mit ziemlich wehrhaften Affen (die Chefin meint allerdings, sie hätte keine Affen gesehen; das war wohl früher mal).
Fries zur Geschichte von Singapur im Fort Canning Park

Und wo die Menschen gleich viersprachig vor Gefahren warnen. Die haben nämlich zu wenig Hunde, die rechtzeitig bellen.
Englisch-Chinesisch-Tamil-Malayisch: Warnschild Singapur
 Aus Sicherheitsgründen schippern die Luxusschiffe dort heutzutage durch die Wolken, und wer das nötige Kleingeld hat, kann ganz ohne Seekrankheit eine Außenkabine darunter buchen.
Marina Bay Sands Hotel
 Abends erholt man sich im Park an der Küste bei Licht- und Tonshow von den Wanderungen durch die Tropenstadt. Total schön und Hunde an der Leine dürfen sogar mit (mehr über Hunde in Singapur auf Englisch auf dem Blog von Vanillapup).
Supertrees, Gardens by the Bay
 Da meine Chefs ewige Strecken durch die Stadt getigert sind, mit MRT und Bus unterwegs waren und in Restaurants und Malls abhängen wollten (da gibt es Klimaanlagen!) und sogar noch auf Stippvisiste in Thailand waren, haben sie mich klugerweise in unserer Lieblingshundepension gelassen: Urlaub mit anderen Vierbeinern ohne Flug und Tropenklima - das war garantiert besser für alle Beteiligten.
Ausflugsboote für die Inseln vor Krabi, Thailand
 Am liebsten hätten sie aus Singapur einen Babybeagle mitgebracht: Meine Chefin ging in eine Tierhandlung, und tatsächlich - hinter den Käfigen mit den Vögeln und den schlappen Kaninchen (viel zu heiß) kamen die mit den Welpen. Ein Beaglewelpe, höchstens 8 Wochen alt, hockte dort ganz allein in seinem Winzlingskäfig. In Deutschland hätte man sofort den Tierschutz alarmiert und das Tierchen dort rausgeholt. Aber in Singapur?

Dafür haben sie aus Chinatown was Komisches mitgebracht, bei dem ich mir noch nicht so sicher bin, ob es lebt oder nicht. Zumal es irgendwie nach Räucherstäbchen riecht:
Angeblich bringen Drachen Glück. Aber der hier ist einfach nur total frech.
Macht sich glatt in meinem Körbchen breit.
Ich weiß nicht, ob das so richtig ist.

Zum Glück darf er nicht mit uns spazierengehen. Meine Chefs haben aus Singapur die Sonne mitgebracht und sind ordentlich gelaufen, wenn auch meist auf Asphalt. Jetzt wollen sie wieder Natur in Europa. Die Wandersaison kann losgehen - ich bin bereit!


Samstag, 22. August 2015

Ortenauer Weinweg (3/2) und (4): Ein Spätsommertraum

15. August 2015. Der heißeste Sommer seit langem neigt sich dem Ende zu, und ausnahmsweise herrscht einmal wieder Wanderwetter. Meine Chefs stürmen so schnell los, dass ich gar nicht weiß, wie mir geschieht, und schwupp stehen wir auch schon in Sasbachwalden, um endlich den Ortenauer Weinweg fortzusetzen. Von den Wolken haben wir uns nicht einschüchtern lassen - gut so!
Der Wein steht in Reih und Glied und ist kein bisschen vertrocknet. 
 "Auf der Eck" zwischen Sasbachwalden und Kappelrodeck wartet mal wieder ein schwarzwaldtypischer Schnapsbrunnen mit äußerst zivilen Preisen und verlockendem Angebot - natürlich auch Alkoholfreies. Gleich mal Pause machen!
Durch ein Waldstück mit ganz gemütlichen, gar nicht mehr so breiten Wegen geht es weiter nach Kappelrodeck, wo diverse Variationen der "Hex vom Dasenstein" locken.
Am Waldrand versucht offenbar ein ökologisch orientierter Winzer, mit Tagetes gegen Ungeziefer anzugehen. Andere spritzen wohl eher. Jedenfalls hängen die Stöcke voll. 
In Kappelrodeck ist das Frühstück schon eine gute Weile her. Also suchen wir uns im Ortskern ein nettes Lokal, wo wir total entspannt die gute badische Küche genießen.

Das wäre das normale Ende der dritten Etappe des Ortenauer Weinwegs, für die wir letztes Jahr zu faul waren. Heute sind wir lauffreudiger.
Es geht weiter nach Waldulm und dort wieder in die Höhe. Auf dem Weg stehen prächtige Fachwerkhäuser.
  Und kurz nach Waldulm entdeckt mein Chef mitten im Weinberg auf dem Weg einen 50-Euro-Schein. Was machen wir damit? Irgendjemand ist jetzt todunglücklich, aber wer? Wir sehen weit und breit keinen Menschen. Und wie gibt man am Samstag mittag mindestens eine Stunde vom nächsten Polizeirevier entfernt einen Geldschein ab?
Wir stecken ihn erst einmal ein und denken darüber nach, wie der Schein zu seinem Besitzer zurückfinden könnte: Bloggen? Facebook fragen? Montag im Fundbüro oder bei der Polizei in Waldulm (oder Kappelrodeck?) anrufen? Ganz egoistisch lecker essen gehen (dann bleibt das Geld wenigstens in der Region) oder an Tasso spenden (ich perönlich wäre ja eher für Entenbraten, aber dass verlorene Haustiere wieder nach Hause kommen, gefiele mir im Zweifelsfall sicher auch). 
Man könnte davon vielleicht sogar diese alte Bank reparieren... 
Wir stapfen fröhlich durch den Wald in Richtung der Fatima-Kapelle bei Oberkirch und kommen uns (fast) wie Lottogewinner vor.

Am Waldrand erschreckt uns ein wilder Geselle, und als wir an der Kapelle nach dem Schein kramen, weil mein Chef mal gucken will, ob er überhaupt echt ist - da ist das Geld weg. Einfach futsch. Weil in der Tasche auch die Brille steckte, die mal auf der Nase war und mal nicht. Irgendwo im Wald zwischen Waldulm und Fatima-Kapelle (eventuell im Bereich der Waldköpflehütte?) fliegen vielleicht immer noch 50 Euro herum, die wir mal im Weinberg bei Waldulm gefunden hatten.
Beim Abstieg schwänzelt uns eine glückliche Hundemeute mit zwei besonders gut gelaunten Beagles entgegen. Wir scheinen einen Hundeschulenspaziergang zu sprengen - oder ich biete all den Hundebesitzern gerade die Chance, mal zu demonstrieren, was für nette Hunde sie haben, die natürlich alle aufs Wort horchen (bis auf die Beagles vielleicht, aber wir wissen auch ganz ohne unsere Chefs, was erlaubt ist und Spaß macht).
Nach den Weinbergen folgen bis Oberkirch, wo wir den Zug zurück nach Achern nehmen, Obstbäume ohne Ende. Die Frühzwetschgen sind schon durch, aber hier hängt noch jede Menge feines Obst für die nächsten Wochen.
Und Äpfel gehen auch nicht aus, zumindest im Badischen nicht, denn hier wachsen sie gut geschützt.
Jetzt bin ich mal gespannt, ob wir den Weinweg noch dieses Jahr abschließen oder womöglich erst nächsten August wieder weiterlaufen!