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Sonntag, 14. September 2014

Jura-Höhenweg (7): Durch die Taubenlochschlucht zum Bieler See

September 2014. Meine Chefs haben eine Weile über Fahrplänen und Landkarten gebrütet. Wir starten am Morgen in Biel/Bienne und parken nach einigen Suchrunden in bequemer Laufweite zum Bahnhof Mett. Die SBB bringt uns im Nu nach Grenchen-Süd, von dort geht's per Taxi zum Untergrenchenberg (dafür gibt es Festpreise - vor Fahrtantritt nachfragen!). Das Postauto (Linie 38) fährt leider nur mittwochs und am Wochenende, und diesen Mittwoch haben meine Chefs bereits etwas ganz Besonderes vor.

Hier sind wir letztes Jahr im Nebel gestrandet. Heute wollen wir ins Tal, auch wenn von Westen her schon wieder Regenwolken heranziehen. Der Weg führt als Erstes mal quer über die Weide bergab.
Damit die Gämsen nicht stolpern, räume ich im Wald das Gröbste aus dem Weg.
 Die Schweizer machen das stellenweise auch sehr akkurat. Da staune ich!
Zum Stierenberg (Dienstags geschlossen) geht es weiter bergab, dann wieder etwas aufwärts auf Waldpfaden ins Kanton Bern. Ab hier pendeln wir ständig zwischen dem französischen Sprachgebiet im Norden und der deutschsprachigen Schweiz im Süden.

Der Waldboden riecht allerdings  überall gleich köstlich. Wo ist jetzt der Bär?
 In diesem Bereich endet vorerst der Wald. Über herrliche Bergwiesen traben wir gen Westen.
Das kleine Gasthaus in Montagne de Romont hat offen, und der Chef plädiert für eine Pause. Meine Chefin blickt skeptisch zum Himmel und drängt zum Weiterlaufen. Irgendwie hat sie heute einen guten Draht zum Wettergott, denn wir werden zwar immer wieder nass, laufen dabei aber meist am Wolkenrand im Sonnenschein - der meiste Regen fällt hinter uns.
Immer wieder versperren Kuhgatter den Weg. Mit Rucksack passen meine Menschen nur ganz knapp durch die Umgehungen, und als Hund muss man vor Stacheldraht auf der Hut sein. Aber die Übergänge sind mitunter gezielt vermint. Wahrscheinlich zum Schutz der niedlichen Kälbchen hier oben.
Wer nicht die verkehrsarmen Fahrwege durch die Chalets wählt, folgt dem Jura-Höhenweg auf einem deftigen Abstieg durch den Wald. Am Waldrand vor Plagne stoßen wir auf einen willkommenen Rast- und Spielplatz. Endlich Pause!
Von Plagne aus fährt ein Postauto ins Tal (Empfehlung aus dem Wanderführer). Wir queren am Dorfende die Weiden und folgen dem offiziellen Verlauf des Jura-Höhenwegs. Jedenfalls würden wir das gern, wenn die Kühe keine Sitzblockade machen würden. Sind das wieder diese gefährlichen Mutterkühe, die auf Wanderer mit Hund losgehen?
Wir schlagen einen Bogen um die Herde, und meine Chefin nimmt sicherheitshalber einen Stock mit, worauf prompt eine Kuh hinter uns herstapft. Hinterher soll ich den Stock tragen und mich als Hütehund nützlich machen, aber das Ding ist total morsch und gleich zerlegt.
Meine Chefs erfreuen sich an den Silberdisteln, dem Johanniskraut und den zarten weiß-lila "Krokussen" auf den Almen dieser Gegend.
Krokusse im September? Meine Chefin ist skeptisch, tippt auf Herbstzeitlosen und fragt sich, ob die für Kühe denn nicht giftig sind. Das wird zu Hause nachgeschaut, in Informationen des Landwirtschaftsministeriums: Die Herbstzeitlose ist tatsächlich auch für Kühe so giftig, dass sie diese Pflanzen nach dem ersten Kontakt sogar noch im Heu verschmähen. Deshalb treibt man nur "weideerfahrene" Rinder auf derart verseuchte Wiesen. Ziegen und Schafe können Herbstzeitlosen fressen; allerdings geht das Gift bei ihnen in die Milch über. Schäferblogs sagen, dass die Schafe ebenfalls einen Bogen um die Blümlein machen. Hübsch sind sie trotzdem, und wir haben sie klugerweise nicht angerührt.
Durch Laubwald geht es noch einmal auf nicht ganz einfachen Wegen rasant bergab. Kurz vor Frinvillier halten wir uns etwas zu lange mit dieser hübschen Blindschleiche auf.
 Prompt erwischt uns daraufhin ein kräftiger Regenguss mit lautem Donnerschlag, so dass wir ganz zufrieden sind, dass wir Minuten später unter der Hochstraße Schutz finden. Zum Glück verzieht sich das Gewitter rasch wieder. Von dort oben sind wir heute gekommen.
Unsere heutige Etappe ist jedoch noch nicht zu Ende.
Wir weichen vom Jurahöhenweg ab, weil wir durch die Taubenlochschlucht nach Biel absteigen wollen.
 Etwas verdutzt stellen wir fest, dass der Weg tatsächlich oben am Kanalmäuerchen entlang geht.
So queren wir die Suze (die auf Deutsch "Schüss" heißt).
Die Taubenlochschlucht ist manchmal geschlossen, denn das Wasser dient der Elektrizitätsgewinnung und wird je nach Wetterlage auch mal schwallartig abgelassen.

Heute stehen Krankenwagen und andere Rettungsautos am Zugang zur Schlucht. Gab es bei dem kurzen Gewitter einen Unfall? Dürfen wir überhaupt passieren? Erleichtert stellen wir fest, dass nur lauter gut gelaunte, entspannte Helfer eine Übung machen.
Die Schlucht ist wirklich eindrucksvoll und sicher die schönste Wegvariante, um nach Biel hinunter zu gelangen. Schon nach kurzer Zeit übertönt das Brausen des Wassers den Lärm des Straßen- und Bahnverkehrs, der hoch über uns verläuft.
Hier wurde ich freundlicherweise getragen, denn solche Gitter mögen meine Pfoten gar nicht. Ein größerer Hund käme aber sicher auch am Rand entlang.
 Ein herrlicher Wasserfall von der Seite her (der bringt unseren Regenguss von vorhin).
 Am Ende der Taubenlochschlucht steht man direkt am Rand von Biel, wo wir beeindruckt die Firmensitze von Rolex und Swatch erspähen.

Wir folgen der Suze zum Auto zurück. Hier kann ein Hund bequem trinken, und wer mag, läuft weitgehend entspannt am Fluss entlang in Richtung Bieler See. Uns hat dieses erholsame Stückchen mit Kinderspielplätzen und Parkbänken nach dem langen Wandertag sehr gefallen. Später wartet am Oberen und Unteren Quai mehr städtisches Ambiente mit Gaststätten und Geschäften.
Abends gewittert es noch einmal. Unterm Bett stört mich das nicht. Ich mache meinen Chefs bestimmt nicht den Platz auf dem Bett streitig. Eher rücke ich ein bisschen zur Seite, falls sie sich zu mir kuscheln wollen. Ist doch genug Platz für alle!

Morgen wartet angeblich eine Überraschung, aber heute bin ich hundemüde.







Sonntag, 22. September 2013

Jura-Höhenweg (6): Von Balmberg nach Untergrenchenberg - wir tappen im Nebel

Samstag, 15. September 2013. Mit Leckereien vom Solothurner Markt im Gepäck brechen wir trotz Regenwarnung mit Verstärkung nach Balmberg auf. Das Auto unserer Verstärkung stellen wir auf dem Parkplatz des Kletterparks ab, was in der Nebensaison niemanden stört. Mit dem Postauto käme man auch hoch, aber die Fahrtzeiten sind für unsere Absichten eher ungünstig.
Beagle mit Wanderstab
Zur Zufriedenheit meiner Chefs trage ich mein Wasser selbst den gemächlichen Anstieg von 200 Meter zum Kurhaus Weissenstein hinauf. Um meine Muskeln noch mehr zu stählen, nehme ich außerdem einen anständigen Stock mit. Vielleicht können meine Chefs den ja später noch brauchen.
Blick auf die Alpen vom Weissenstein bei Solothurn
Und dann kommt das, worauf wir seit April warten. So oft sind wir in die Schweiz gefahren, und an diesem "Regentag" sehen wir zum ersten Mal in diesem Jahr die ALPEN. Hey, das ist ja trotz Klimaerwärmung alles voll Schnee! Wie gut, dass wir nicht stur weiter nach Süden getrabt sind, sondern den Schwenk ums Schweizer Mittelland vollzogen haben!
Blick vom Weissenstein zur Hasenmatt
Angesichts des Wetterberichts und der von Süden heranziehenden Wolken gönnen wir uns nicht einmal den Schwenk zum Kurhaus mit dem angeblich sehr sehenswerten Juragarten, sondern marschieren weiter zum Hinteren Weissenstein (gleich am Ende dieser Wiese), und dann zum Althüsli.

Das sieht zum Greifen nah aus (so wie vorhin die Alpen), ist es aber nicht. Denn erst einmal muss man durch den Wald davor und sich dort durch den Nebel den Weg suchen. Der ist die meiste Zeit eher schmal, holprig und wurzelig. Erst ganz kurz vor dem Ziel taucht urplötzlich das Althüsli aus dem Nebel wieder auf: Pause und Mittagessen!
Zwischenetappe Althüsli, Hasenmatt
Wie ihr seht, hat meine Chefin mir den Hunderucksack inzwischen abgenommen. Zwischendurch ging es nämlich gemütlich ein Stückchen abwärts, und da rutschte mir das Geschirr in die Achseln. Außerdem habe ich natürlich längst getrunken, sodass das Gewicht ohnehin leichter wurde.

Als wir wieder aus dem Haus kommen, haben wir freien Blick zurück zum Hinteren Weissenstein und sehen das Edelweiß, mit dem die Wirtsleute hier ihre Terrasse schmücken. Interessiert mich aber nicht wirklich...
Meine Chefin liest eifrig ihre Karte und entdeckt eine kräftesparende Abkürzung für Menschen mit vollen Bäuchen, die über den Stallberg führt (kleiner Hof ohne Wirtschaft). Dort stehen wir sprichwörtlich im Nebel und wissen nicht weiter. Theoretisch geht es links den Berg hoch, aber rein praktisch führt höchstens ansatzweise ein Pfad über die Wiese.

Die neugierigen Esel können uns nicht weiterhelfen, aber der alte Herr auf dem Hof erklärt uns sehr geduldig mehrfach den Weg - als wir seinen Dialekt nicht verstehen, auch auf Hochdeutsch: Den Berg hoch, bis die Fahrspuren zu steil werden, dann rechts rüber zu den Tannen, am Durchstieg durch den Zaun und weiter dem Pfad folgen.
Unsere Freunde wünschen uns viel Glück. Als wir nach einigem Umherirren den Durchstieg finden, lichtet sich der Nebel kurz. Das hätten wir von unten gern gesehen!
Wegführung: Durchstieg oberhalb vom Stallberg
Der Jura-Höhenweg führt hier auf dem Kamm entlang. Also ist Aufwärtsgehen nicht verkehrt. Da hinten ist ein Hoffnungsschimmer: Wo ein Biker schiebt, könnte vielleicht der Weg sein?
Gut, dass ich gleich in die richtige Richtung gezogen habe: Der Weg ist nämlich da, wo es so schön goldgelb leuchtet. Am Ende haben wir ihn trotz Nebel gefunden, und ich bin mal wieder der Beweis.

Merke: Eine gestrichelte Linie auf der Karte sieht in natura ungefähr so aus (wenn ein offizieller Wanderweg darüber führt). Ohne offiziellen Wanderweg reicht für einen "Weg" auch ein Durchstieg durch einen Kuhzaun. Aber immerhin!

Blick vom Schwelli auf das Aaretal
Dieses Stück Weg ist sehr lohnend, sobald der Nebel ausreißt. Unten ist die Aare zu sehen; die Höfe auf halber Höhe sind Obersbrüggli (links) und Mittlersbrüggli (rechts), und durch das Tal fließt der Brügglibach zur Aare. Schweizerische Namen sind extrem logisch!

In beiden Höfen könnte man theoretisch einkehren (wenn man die 250 Meter hinunter- und später wieder hochsteigen will). Meine Chefin sagt angesichts des mit Ketten gesicherten Weges allerdings kategorisch Nein.

 Abstieg vom Jura-Höhenweg nach Brüggli.
 Dabei sind die Ketten nur zu unserem Schutz, denn es ist hier doch rechts steil.

Wir laufen weiter auf dem Grat entlang. Die Wiesen hinten gehören bereits zum Bereich von Obergrenchenberg, der nächsten Alm.
Bis dahin darf ich meine Menschen noch ein bisschen schocken. Ich bin mir ganz sicher, dass hier ein Wildwechsel lang geht. Wahrscheinlich Gämsen!
Wer sonst sollte hier über die Felsen hüpfen? Ich muss das ganz genau ergründen und schnuppere hart an der Felswand entlang.
Spürhund auf Gämsenjagd
Hier können wir bedenkenlos entlangsteigen. Für nicht ganz trittsichere Wanderer gibt es eine Kette am Fels. Die habe ich mir genau angeschaut. Folgt mir, ich kenne den Weg!
Beagle auf dem Jura-Höhenweg

Jura-Höhenweg bei Grenchen
Ansatzweise schwindelfrei sollte man natürlich sein, wenn der Nebel sich lichtet.

Bei Nebel hier bitte nicht vom Weg abgehen!!!

Bald darauf landet man auf einem sehr angenehm zu laufenden Wiesenweg nach Obergrenchenberg. Leider hat das Windrad offenbar die Wolken angepiekst, denn als der Wald endet, holt uns doch noch ein kräftiger Regenguss ein. Wir stellen uns unter einer Baumgruppe unter und packen uns gründlich wasserfest ein.

Gut, dass es wenigstens kein Gewitter war, sonst wäre das bisschen Schutz auch nicht gerade sicher gewesen.
Wanderbeagle bei Obergrenchenberg
Der Regen kam so abrupt, dass wir keine Kaffeepause mehr einlegen, sondern den letzten Kilometer nach Untergrenchenberg weiterlaufen, wo unsere Zimmer auf uns warten. Schlicht und einfach, aber warm, und meine Chefs freuen sich schon die ganze Zeit auf die Steaks von den Angusrindern, die hier weiden.

Wir lernen auch ein neues Wort: Vernicellen sind Maroni oder Esskastanien. Daraus machen die Schweizer leckere Süßspeisen. Ich hätte lieber ein Stückchen von dem Steak, aber mit diesem Wunsch ernte ich hier oben, wo die Kühe echt geliebt werden, ziemlich giftige Blicke.
Untergrenchenberg, Schweizer Jura
Auf 1395 Meter Höhe übernachten wir und sind glücklich, dass wir der Wettervorhersage zum Trotz eine phantastische Wanderung mit Alpenblick hinter uns haben.
Ausblick Richtung Grenchen

Mal sehen, ob wir tags drauf auch noch so viel Glück haben. Angesagt ist inzwischen Dauerregen, aber wer weiß?

800 Meter tiefer und rund 3,5 Wegstunden weiter wartet in Péry das Auto auf uns.







Samstag, 10. August 2013

Jura-Höhenweg (5): Von Balsthal nach Balmberg - darf's noch ein Stückchen höher sein?

21. Juli 2013. Da haben meine Menschen sich aber ganz schön reingelegt. Was ihr hier seht, ist die Wannenflue von der Äußeren Klus aus, also vom Aaretal her und mit Nachmittagssonne.
Wannenflue bei Oensingen/Balsthal, Schweiz
Wir sind morgens von der Inneren Klus aus von Balsthal (484 m) her immer durch den Wald hinaufgestiegen. Und das waren erst einmal satte 500 Höhenmeter.

Von oben her sieht der Blick nach Osten (über diese Felsen hinweg) dann SO aus. Der Hof dort ist die Schwengimatt (1000 m), ein Bergbauernhof mit angeschlossener Gastwirtschaft, wo wir Getränke und ein Schattenplätzchen bekamen.

Schwengimatt, Schweiz
Im Hintergrund sind all die Gipfel, die wir auf den letzten Etappen meist kräftesparend umgangen haben. Was einem vorher nicht so wirklich bewusst ist, ist die Steigung ab Schwengimatt. Hier trennen uns "nur noch" 231 weitere Höhenmeter zum Hellchöpfli, und die sind recht schweißtreibend. 
Meine Menschen ächzen, aber ich bin glücklich! Der Fahrweg weicht bald einem Waldpfad durch Felsen und einen Wald mit großen Lichtungen. Die Landschaft ist wirklich sehr schön, aber alle sind sich einig, dass wir diese Tour an einem weniger heißen Sommertag mehr genießen würden.
Es gibt auch viel zu entdecken, zum Beispiel diese  Teamwork-Ameisen, die zu fünft ihre Beute davonschleppen. Da halte ich mich mit der Nase eher zurück.
Kuhgatter (1), Jura
Im Laufe der Zeit treffen wir auf zahlreiche einfallsreiche Kuhgatter. In der Regel kann ich aber einfach seitlich unter dem Zaun hindurchschlüpfen. 
Der Weg ist ziemlich durchwurzelt. 
Was es hier oben gar nicht gibt, ist WASSER (aber meine Chefs haben genug dabei). Verlaufen kann man sich nicht. Erstens bin ich ja dabei, und ein Beagle findet immer seinen Weg. Zweitens gibt es sowieso nur einen Weg (immer auf dem Grat lang). Und drittens markieren die Schweizer ihre Wege für Touristen sehr zuverlässig mit der gelben Raute.
 Die Ameisen sind hier relativ radikal mit ihren Platzansprüchen. Ob nächstes Jahr wohl noch ein bisschen Weg für die Wanderer übrig ist?
Dieser Weg führt vom Hellchöpfli bergab - ich posiere hier nur für das Foto. Nach dem anstrengenden Anstieg geht es hier gleich wieder nach unten.
Kurz darauf hören wir Kuhglocken. Aber wo sind die Kühe dazu? Irgendwo muss doch die Wiese sein...
Kuhgatter (2), Jura
Da ist sie ja! Und mal wieder mit Gatter und Warnhinweisen vor Mutterkühen mit Beschützerinstinkt. Zum Glück sind die diesmal weit weg.
Kuhgatter (3), extrasicher, Jura
Am Ausgangsgatter ist der Durchgang extra mit einem Pfahl verrammelt. Anscheinend quetschen sich da sonst fidele Kälbchen auch mal durch.
Kuhgatter (4), Jura
Das ist ein Trugbild: Ich habe diesen komischen Rost nicht betreten. Musste ich auch gar nicht, denn wir biegen doch lieber nach der anderen Seite ab, zum Bergbauernhof Hinderegg mit einer tollen Versorgung.
Beaglepause in Hinderegg, Jura-Höhenweg
Wenn wir vorher gewusst hätten, dass die Schweizer hier ganz gemütlich mit ihren Autos hoch fahren, neben dem Gasthof auf dem Parkplatz parken und hier ihren Sonntagsspaziergang machen, wären wir vielleicht schwach geworden, hätten abgekürzt und uns nicht den ganzen Weg bis zur nächsten Postautostation in den Kopf gesetzt. Aber da wartet nun schon unser Auto auf uns. Und deshalb wird nach ausgiebiger Pause wacker weiter marschiert!
Vorher marschieren aber die Kühe. Und zwar in Reih und Glied. Jetzt wissen wir, wie das mit der Leitkuh funktioniert. Aber nicht, warum so etwas "Gänsemarsch" heißt. In dem Moment, wo der Bauer zum Stall geht, setzt sich die Chefkuh in Bewegung, und alle rennen hinterher. Da gibt es oben nämlich WASSER. Klar - dafür wäre eine Beaglemeute bei dieser Affenhitze auch sofort aus allen Richtungen angelaufen gekommen.
Als die Kühe alle weg sind und wir uns auf den Weg machen, treffe ich einen Dackel, der sehr mit Buddeln beschäftigt ist. Der ist aber vorher nicht den ganzen Berg raufgekraxelt.
Es kommt ewig lang kein Papierkorb für meine Hinterlassenschaften. Und als wir endlich einen finden, sieht der so aus:
Robidog-Station beim Rüttelhorn, Schweiz
Da sieht man mal, wie vorbildlich die Hundehalter hier ganz brav ihre gefüllten Beutel durch die Gegend tragen (und wie viele Hunde auf solchen Wiesen unterwegs sind).
Beagle auf dem Jura-Höhenweg

Wir wollen der Mittagshitze entgehen und wählen den Pfad auf dem Grat entlang durch den Wald, anstatt etwas abwärts über die Weiden zu den zwei nächsten Höfen zu laufen (und dort gleich wieder zu pausieren).

Der Weg ist wieder steinig und wurzelig, und es geht ständig auf und ab. Ich bin mit meinen vier Pfoten mal wieder im Vorteil.

Meine Chefs sind aber froh über knöchelhohe Bergstiefel, die vor dem Umknicken bewahren. Auch die Sohlen sollten angesichts des Untergrunds stabil sein.
Blick aufs Aaretal über Wangen a.A.
Am Ende des Pfads wartet ein schattiger Rastplatz mit Blick nach Süden. Hinten sieht man aber keine schneebedeckten Alpengipfel, sondern einfach nur Wolken und Dunst über dem Aaretal.
Blick Richtung Basel bei Schmidematt
Nach Norden hin ist der Blick merkwürdigerweise deutlich klarer. Unten herum kommt man sicher schneller und weniger kräftezehrend voran, aber dafür gibt es dort eben keinen Schatten.
Kuhgatter (5), Jura
Hinter dem Hof Hofbergli führt uns der Weg auf einem Pfad über die Wiese, und da versperrt mal wieder ein interessantes Gatter den Weg.

Davon lassen wir uns aber nicht abschrecken und steigen ein Stückchen hinauf in Richtung Stierenberg (noch so ein bewirtschafteter Bergbauernhof mit von weitem lockenden Sonnenschirmen).

Hier führt der Weg unter den steilen Wänden des Chamben entlang. Zum Glück sind über uns keine Wanderer, denen ihre Kameras herunterfallen.

Und ihre Beagles haben sie wohl auch gut gesichert - habe ich euch erzählt, dass ich mal schwungvoll über eine Burgmauer springen wollte, mitten in den Abgrund? Meine Chefin war schockiert, dabei wollte ich bloß auch was sehen...

Darum darf ich nie ohne Geschirr in die Nähe einer Steilwand. Obwohl ich längst total erwachsen und vernünftig bin!


Beagle am Klettergarten Balmberg, Jura

Am Klettergarten auf der Passhöhe von Balmberg ist unsere Ankunftzeit zu sehen. In Balsthal sind wir kurz vor 9 Uhr morgens aufgebrochen.

Laut Wanderführer sollte man für die reine Wegstrecke (ohne Pausen) bis hierher gut 5 1/2 Stunden benötigen. Haben wir wirklich drei Stunden Pause gemacht?

Obwohl - wenn man alles zusammenrechnet, die Rast auf der Schwengimatt, die auf dem Hellchöpfli, die in Hinderegg, die am Rastplatz über Schmidematt und all die Fotopausen, dann passt es vielleicht sogar.

Das war eine Riesentour und darum auch in riesenlanger Post - toll, dass ihr uns bis zum Ende begleitet habt.



Beagle auf dem Jura-Höhenweg, Balmberg

Was gar nicht mehr geht, ist von hier aus der weitere Aufstieg zum Kurhaus Weissenstein, wo diese Etappe des Jura-Höhenwegs offiziell enden würde. Den sparen wir uns für das nächste Mal auf, zumal das auch keine Postautostation ist.

In jedem Fall geht es nächstes Mal schon gleich richtig hoch oben weiter. Nur etwas kühler darf es dann sein!

Bevor es mit unserer Wanderung weitergeht, werden wir euch zur Abwechslung wieder mal ein wenig in den Schwarzwald entführen - die Bilder liegen schon bereit.

Wir hoffen aber, dass wir dieses Jahr auch im Jura noch einige Etappen weiter kommen, denn die Schweiz ist hier ein sehr gastfreundliches, unkompliziertes Land für Wanderer mit Hund.