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Sonntag, 22. September 2013

Jura-Höhenweg (6): Von Balmberg nach Untergrenchenberg - wir tappen im Nebel

Samstag, 15. September 2013. Mit Leckereien vom Solothurner Markt im Gepäck brechen wir trotz Regenwarnung mit Verstärkung nach Balmberg auf. Das Auto unserer Verstärkung stellen wir auf dem Parkplatz des Kletterparks ab, was in der Nebensaison niemanden stört. Mit dem Postauto käme man auch hoch, aber die Fahrtzeiten sind für unsere Absichten eher ungünstig.
Beagle mit Wanderstab
Zur Zufriedenheit meiner Chefs trage ich mein Wasser selbst den gemächlichen Anstieg von 200 Meter zum Kurhaus Weissenstein hinauf. Um meine Muskeln noch mehr zu stählen, nehme ich außerdem einen anständigen Stock mit. Vielleicht können meine Chefs den ja später noch brauchen.
Blick auf die Alpen vom Weissenstein bei Solothurn
Und dann kommt das, worauf wir seit April warten. So oft sind wir in die Schweiz gefahren, und an diesem "Regentag" sehen wir zum ersten Mal in diesem Jahr die ALPEN. Hey, das ist ja trotz Klimaerwärmung alles voll Schnee! Wie gut, dass wir nicht stur weiter nach Süden getrabt sind, sondern den Schwenk ums Schweizer Mittelland vollzogen haben!
Blick vom Weissenstein zur Hasenmatt
Angesichts des Wetterberichts und der von Süden heranziehenden Wolken gönnen wir uns nicht einmal den Schwenk zum Kurhaus mit dem angeblich sehr sehenswerten Juragarten, sondern marschieren weiter zum Hinteren Weissenstein (gleich am Ende dieser Wiese), und dann zum Althüsli.

Das sieht zum Greifen nah aus (so wie vorhin die Alpen), ist es aber nicht. Denn erst einmal muss man durch den Wald davor und sich dort durch den Nebel den Weg suchen. Der ist die meiste Zeit eher schmal, holprig und wurzelig. Erst ganz kurz vor dem Ziel taucht urplötzlich das Althüsli aus dem Nebel wieder auf: Pause und Mittagessen!
Zwischenetappe Althüsli, Hasenmatt
Wie ihr seht, hat meine Chefin mir den Hunderucksack inzwischen abgenommen. Zwischendurch ging es nämlich gemütlich ein Stückchen abwärts, und da rutschte mir das Geschirr in die Achseln. Außerdem habe ich natürlich längst getrunken, sodass das Gewicht ohnehin leichter wurde.

Als wir wieder aus dem Haus kommen, haben wir freien Blick zurück zum Hinteren Weissenstein und sehen das Edelweiß, mit dem die Wirtsleute hier ihre Terrasse schmücken. Interessiert mich aber nicht wirklich...
Meine Chefin liest eifrig ihre Karte und entdeckt eine kräftesparende Abkürzung für Menschen mit vollen Bäuchen, die über den Stallberg führt (kleiner Hof ohne Wirtschaft). Dort stehen wir sprichwörtlich im Nebel und wissen nicht weiter. Theoretisch geht es links den Berg hoch, aber rein praktisch führt höchstens ansatzweise ein Pfad über die Wiese.

Die neugierigen Esel können uns nicht weiterhelfen, aber der alte Herr auf dem Hof erklärt uns sehr geduldig mehrfach den Weg - als wir seinen Dialekt nicht verstehen, auch auf Hochdeutsch: Den Berg hoch, bis die Fahrspuren zu steil werden, dann rechts rüber zu den Tannen, am Durchstieg durch den Zaun und weiter dem Pfad folgen.
Unsere Freunde wünschen uns viel Glück. Als wir nach einigem Umherirren den Durchstieg finden, lichtet sich der Nebel kurz. Das hätten wir von unten gern gesehen!
Wegführung: Durchstieg oberhalb vom Stallberg
Der Jura-Höhenweg führt hier auf dem Kamm entlang. Also ist Aufwärtsgehen nicht verkehrt. Da hinten ist ein Hoffnungsschimmer: Wo ein Biker schiebt, könnte vielleicht der Weg sein?
Gut, dass ich gleich in die richtige Richtung gezogen habe: Der Weg ist nämlich da, wo es so schön goldgelb leuchtet. Am Ende haben wir ihn trotz Nebel gefunden, und ich bin mal wieder der Beweis.

Merke: Eine gestrichelte Linie auf der Karte sieht in natura ungefähr so aus (wenn ein offizieller Wanderweg darüber führt). Ohne offiziellen Wanderweg reicht für einen "Weg" auch ein Durchstieg durch einen Kuhzaun. Aber immerhin!

Blick vom Schwelli auf das Aaretal
Dieses Stück Weg ist sehr lohnend, sobald der Nebel ausreißt. Unten ist die Aare zu sehen; die Höfe auf halber Höhe sind Obersbrüggli (links) und Mittlersbrüggli (rechts), und durch das Tal fließt der Brügglibach zur Aare. Schweizerische Namen sind extrem logisch!

In beiden Höfen könnte man theoretisch einkehren (wenn man die 250 Meter hinunter- und später wieder hochsteigen will). Meine Chefin sagt angesichts des mit Ketten gesicherten Weges allerdings kategorisch Nein.

 Abstieg vom Jura-Höhenweg nach Brüggli.
 Dabei sind die Ketten nur zu unserem Schutz, denn es ist hier doch rechts steil.

Wir laufen weiter auf dem Grat entlang. Die Wiesen hinten gehören bereits zum Bereich von Obergrenchenberg, der nächsten Alm.
Bis dahin darf ich meine Menschen noch ein bisschen schocken. Ich bin mir ganz sicher, dass hier ein Wildwechsel lang geht. Wahrscheinlich Gämsen!
Wer sonst sollte hier über die Felsen hüpfen? Ich muss das ganz genau ergründen und schnuppere hart an der Felswand entlang.
Spürhund auf Gämsenjagd
Hier können wir bedenkenlos entlangsteigen. Für nicht ganz trittsichere Wanderer gibt es eine Kette am Fels. Die habe ich mir genau angeschaut. Folgt mir, ich kenne den Weg!
Beagle auf dem Jura-Höhenweg

Jura-Höhenweg bei Grenchen
Ansatzweise schwindelfrei sollte man natürlich sein, wenn der Nebel sich lichtet.

Bei Nebel hier bitte nicht vom Weg abgehen!!!

Bald darauf landet man auf einem sehr angenehm zu laufenden Wiesenweg nach Obergrenchenberg. Leider hat das Windrad offenbar die Wolken angepiekst, denn als der Wald endet, holt uns doch noch ein kräftiger Regenguss ein. Wir stellen uns unter einer Baumgruppe unter und packen uns gründlich wasserfest ein.

Gut, dass es wenigstens kein Gewitter war, sonst wäre das bisschen Schutz auch nicht gerade sicher gewesen.
Wanderbeagle bei Obergrenchenberg
Der Regen kam so abrupt, dass wir keine Kaffeepause mehr einlegen, sondern den letzten Kilometer nach Untergrenchenberg weiterlaufen, wo unsere Zimmer auf uns warten. Schlicht und einfach, aber warm, und meine Chefs freuen sich schon die ganze Zeit auf die Steaks von den Angusrindern, die hier weiden.

Wir lernen auch ein neues Wort: Vernicellen sind Maroni oder Esskastanien. Daraus machen die Schweizer leckere Süßspeisen. Ich hätte lieber ein Stückchen von dem Steak, aber mit diesem Wunsch ernte ich hier oben, wo die Kühe echt geliebt werden, ziemlich giftige Blicke.
Untergrenchenberg, Schweizer Jura
Auf 1395 Meter Höhe übernachten wir und sind glücklich, dass wir der Wettervorhersage zum Trotz eine phantastische Wanderung mit Alpenblick hinter uns haben.
Ausblick Richtung Grenchen

Mal sehen, ob wir tags drauf auch noch so viel Glück haben. Angesagt ist inzwischen Dauerregen, aber wer weiß?

800 Meter tiefer und rund 3,5 Wegstunden weiter wartet in Péry das Auto auf uns.







Samstag, 30. März 2013

Beagletreff im Schweizer Aargau

Samstag, 23.3.2013. Anstatt stolz wie Oskar mit mir über die Grenze zu marschieren (Plan A), mogeln wir zum allerersten Mal für ungefähr 2000 Meter, und auch das nur wegen dem digitalisierten Pseudoausweis: Ich überquere den Rhein im Kofferraum in der Hundebox (Plan B) - dabei interessiert sich ohnehin niemand für uns. Wir parken gleich auf der anderen Seite der Grenze auf dem Bahnhofsparkplatz des schweizerischen Koblenz.

Parkautomat Schweiz
Man könnte stattdessen auch am Rhein entlang spazieren, das ist ganz leicht zu finden (aber auf diesem kurzen Stückchen nicht wirklich schön zu laufen) oder mit dem Zug über die Grenze tuckern (MIT Ausweis). Dann bräuchte man keine Münzen für den Parkautomaten. Der ist hier nämlich ein bisschen ungewohnt, aber für Tagestouren gar nicht teuer.

Man gibt die Parkplatznummer ein, schmeißt genügend Schweizer Franken in den Automaten, drückt den grünen Knopf und steckt einfach das Ticket ein. Jetzt hat man ganz offiziell genau den Parkplatz gebucht, auf dem das Auto steht.

Gegenüber vom Parkplatz geht es am Hühnerhof vorbei direkt zum Fluss. Das ist hier nicht mehr der Rhein, sondern die Aare, aber die ist auch ganz schön breit.

Vor allem versorgt sie diverse Kraftwerke.

Gelbe Raute = Schweizer Wanderweg
Am ersten, dem Wasserkraftwerk Klingnau, lernen wir, wie gut die Schweizer ihre Wanderwege ausschildern:

Ein Wanderweg hat hier die gelbe Raute, und die finden wir wirklich an jeder erdenklichen Stelle, oft mit Pfeilen und natürlich mit Wegweisern. Ohne Gelb kein Weg, das lernen wir ganz schnell.

Danach geht es ziemlich lange immer auf dem Deich des Klingnauer Stausees entlang. Wir beobachten die Wasservögel und staunen, wie lange und weit so ein Haubentaucher tauchen kann.

Wenn nicht gerade eisiger Frühling ist, sollte man hier an Sonnenschutz denken, weil es nirgendwo Schatten gibt. Es sind auch etliche Radfahrer und Skater unterwegs.
Beagle am Klingnauer Stausee

Ich stehe hier nur so klein in der Gegend rum, damit man sieht, wie lang der Weg ist. Er ist aber nicht langweilig, weil es immer wieder Neues zu sehen gibt. Und wir können gleich einmal Schweizerisch üben, denn wir treffen viele höfliche Schweizer, die alle sagen: "Grüezi, mitanand'." Das hört sich richtig nett an. Weiß zufällig jemand, wie man im Gegenzug einen einzelnen Schweizer begrüßt?


Wanderweg an der Aare, Unterwald bei Beznau
Wie ihr seht, ist das Wetter nicht so berauschend. Um Döttingen herum setzt sanfter Eisregen ein, gerade genug, um die Regenklamotten rauszuholen. Wir sind froh, als wir dann doch ein Wäldchen erreichen, das ein wenig Schutz bietet.

Mich stört's ja nicht so sehr. Ich freue mich, dass uns ein echter Pfotentraberweg erwartet.

Kraftwerk Beznau

Diese Straße haben wir ganz fix überquert, denn hier kommt man zum Kernkraftwerk Beznau, und das ist meiner Chefin nicht so geheuer.

Der Weg ist aber schön, denn zum Ausgleich für die Energieanlagen steht hier alles gewaltig unter Naturschutz, so dass das Laufen tatsächlich richtig Spaß macht - alle Wege sind so wie oben.

Der olle Graupelregen hört bald wieder auf, und schon zückt meine Chefin wieder die Kamera.

Zum Beispiel für diese kleinen Frühjahrsblüher, veilchenartig, aber groß wie Buschwindröschen, so richtig niedliche kleine Kerlchen. Kennt die jemand?
Unbekannter Märzblüher, Aargau


Was wir ab Döttingen ebenfalls immer wieder entdecken, sind ganz verräterische Spuren von Berserkern mit langen Zähnen. Die machen sich an richtig dicken Bäumen zu schaffen. Guckt euch das bloß mal an!

Biberspuren an der Aare

Hier seht ihr weitere Spuren ganz aus der Nähe. Rabiat, oder?
 


 
Dieses schöne Stück Holz bringe ich lieber in Sicherheit. Hervorragendes Halsmuskeltraining, und ich habe es dann auch ganz gründlich verbuddelt, damit die wild gewordenen Flussnagetüme es nicht entdecken.
 
Später beobachten wir noch Schwarzspechte. Die sind für das Gemetzel am Fluss allerdings eindeutig nicht verantwortlich.
Halsmuskeltraining
Bei Stilli geht es über die Brücke, damit wir zu dem Kirchlein gelangen, das man schon die ganze Zeit gesehen hat. Das hier ist der Blick vom Waldrand ins Aaretal, zurück in die Richtung, aus der wir kamen. Der kurze Anstieg ist alles, was an diesem Tag an Steigung zu bewältigen ist.

Vorderer Rein, oberhalb von Freudenau und Stilli

Neugierige Beagles bei Brugg
Auf halber Höhe umrunden wir den Bruggerberg und steigen sehr idyllisch durch den Buchenwald bis auf 500 Meter. Dort oben finden meine Chefs Schilder: Wir sind jetzt offiziell auf dem Jura-Höhenweg angelangt, der von Dielsdorf bis zum Genfer See führt.

Und wem begegnen wir da? Lauter glücklichen Beagles, einer neugieriger als der andere!



 
Aargauer Beagletreffen
Wir haben uns ganz fröhlich begrüßt. Grüezi, mitanand', ihr Süßen!
 
Ich bin in diesem Getümmel ganz links.
 
Meine Chefs haben gerechnet: Da wir auf der ersten Tour in der Schweiz gleich drei Beagles getroffen haben, und auf 17 Touren in Deutschland nur einen (bei Bad Herrenalb), begegnet man in der Schweiz rein statistisch 51-mal mehr Beagles als in Deutschland.
 
Man könnte das auch auf Kilometer umrechnen: Ein Beagle auf 262 Kilometer gegenüber dreien auf 21 Kilometer, das macht immer noch 37,4-mal mehr Beagles in der Schweiz als in Deutschland.
 
Ganz klar: Die Schweiz ist das Beagleparadies! Hier leben eben die Eidgenossen. Und "Genossen", das klingt doch schon fast wie "Meute", oder?
 
Ich guck' gleich mal, ob es in Brugg noch mehr Beagles gibt, sehe aber nur Brücken über die Aare; von denen hat Brugg nämlich seinen Namen. Ich finde Brücken praktisch - zum Rüberschwimmen ist es schließlich viel zu kalt! Früher musste man an jeder Brücke Zoll bezahlen; heute muss man das nicht mal mehr zwischen Deutschland und der Schweiz.
Blick auf Brugg, vom Bruggerberg
Von dieser Aussichtsstelle führt ein holpriger Weg direkt zum Schwarzen Turm von Brugg, durch die Altstadt (mit Café, wo die Chefs Kaffee und Kuchen bekommen) und dann zum Bahnhof.

Wir haben Schwierigkeiten mit dem Fahrkartenautomaten, der bei der ec-Karte fragt, ob wir mit Schweizer Franken oder US-Dollars bezahlen wollen. Da kaufen wir den Fahrschein doch lieber direkt im Bahnhof - Samstag nachmittag sind mehrere Fahrkartenschalter besetzt, und die supernette Schweizerin verkauft uns ruckzuck das passende Ticket: Zwei Erwachsene und ein Hund fahren von Brugg nach Koblenz für 26,20 Schweizer Franken. Mit Umsteigen in Turgi. Geht alles ganz rasant und pünktlich - so saust der ganze Weg des Tages in 20 Minuten an uns vorbei. Die Züge fahren ganz regelmäßig alle halbe Stunde. Toller Service!
 
Bahnfahren in der Schweiz
Der Zug würde uns glatt bis Waldshut bringen, aber wir steigen in Koblenz ins Auto und schmuggeln mich zurück über die Grenze. Ich mach mich ganz klein. Liebe Schweizer, ich bin kein bisschen tollwütig, weil die Tierärztin mich regelmäßig impft, ganz echt gechippt und total legal, nur meine Chefin ist eine olle Vergesserin.
  
Beagle in der Box
Ist auch alles gut gegangen. Keine Kontrollen, keine Verhaftung, keine Quarantäne, der ganze Stress umsonst, und nach einer Viertelstunde Fahrt können wir uns im Quartier gemütlich entspannen.