Samstag, 23.3.2013. Anstatt stolz wie Oskar mit mir über die Grenze zu marschieren (Plan A), mogeln wir zum allerersten Mal für ungefähr 2000 Meter, und auch das nur wegen dem digitalisierten Pseudoausweis: Ich überquere den Rhein im Kofferraum in der Hundebox (Plan B) - dabei interessiert sich ohnehin niemand für uns. Wir parken gleich auf der anderen Seite der Grenze auf dem
Bahnhofsparkplatz des schweizerischen
Koblenz.
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Parkautomat Schweiz |
Man könnte stattdessen auch am Rhein entlang spazieren, das ist ganz leicht zu finden (aber auf diesem kurzen Stückchen nicht wirklich schön zu laufen) oder mit dem Zug über die Grenze tuckern (MIT Ausweis). Dann bräuchte man keine Münzen für den Parkautomaten. Der ist hier nämlich ein bisschen ungewohnt, aber für Tagestouren gar nicht teuer.
Man gibt die Parkplatznummer ein, schmeißt genügend Schweizer Franken in den Automaten, drückt den grünen Knopf und steckt einfach das Ticket ein. Jetzt hat man ganz offiziell genau den Parkplatz gebucht, auf dem das Auto steht.
Gegenüber vom Parkplatz geht es am Hühnerhof vorbei direkt zum Fluss. Das ist hier nicht mehr der Rhein, sondern die
Aare, aber die ist auch ganz schön breit.
Vor allem versorgt sie diverse Kraftwerke.
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Gelbe Raute = Schweizer Wanderweg |
Am ersten, dem
Wasserkraftwerk Klingnau, lernen wir, wie gut die Schweizer ihre Wanderwege ausschildern:
Ein
Wanderweg hat hier die
gelbe Raute, und die finden wir wirklich an jeder erdenklichen Stelle, oft mit Pfeilen und natürlich mit Wegweisern. Ohne Gelb kein Weg, das lernen wir ganz schnell.
Danach geht es ziemlich lange immer auf dem Deich des
Klingnauer Stausees entlang. Wir beobachten die Wasservögel und staunen, wie lange und weit so ein Haubentaucher tauchen kann.
Wenn nicht gerade eisiger Frühling ist, sollte man hier an Sonnenschutz denken, weil es nirgendwo Schatten gibt. Es sind auch etliche Radfahrer und Skater unterwegs.
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Beagle am Klingnauer Stausee |
Ich stehe hier nur so klein in der Gegend rum, damit man sieht, wie lang der Weg ist. Er ist aber nicht langweilig, weil es immer wieder Neues zu sehen gibt. Und wir können gleich einmal Schweizerisch üben, denn wir treffen viele höfliche Schweizer, die alle sagen: "Grüezi, mitanand'." Das hört sich richtig nett an. Weiß zufällig jemand, wie man im Gegenzug einen
einzelnen Schweizer begrüßt?
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Wanderweg an der Aare, Unterwald bei Beznau |
Wie ihr seht, ist das Wetter nicht so berauschend. Um
Döttingen herum setzt sanfter Eisregen ein, gerade genug, um die Regenklamotten rauszuholen. Wir sind froh, als wir dann doch ein Wäldchen erreichen, das ein wenig Schutz bietet.
Mich stört's ja nicht so sehr. Ich freue mich, dass uns ein echter Pfotentraberweg erwartet.
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Kraftwerk Beznau |
Diese Straße haben wir ganz fix überquert, denn hier kommt man zum
Kernkraftwerk Beznau, und das ist meiner Chefin nicht so geheuer.
Der Weg ist aber schön, denn zum Ausgleich für die Energieanlagen steht hier alles gewaltig unter Naturschutz, so dass das Laufen tatsächlich richtig Spaß macht - alle Wege sind so wie oben.
Der olle Graupelregen hört bald wieder auf, und schon zückt meine Chefin wieder die Kamera.
Zum Beispiel für diese kleinen Frühjahrsblüher, veilchenartig, aber groß wie Buschwindröschen, so richtig niedliche kleine Kerlchen. Kennt die jemand?
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Unbekannter Märzblüher, Aargau |
Was wir ab Döttingen ebenfalls immer wieder entdecken, sind ganz verräterische Spuren von Berserkern mit langen Zähnen. Die machen sich an richtig dicken Bäumen zu schaffen. Guckt euch das bloß mal an!
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Biberspuren an der Aare |
Hier seht ihr weitere Spuren ganz aus der Nähe. Rabiat, oder?
Dieses schöne Stück Holz bringe ich lieber in Sicherheit. Hervorragendes Halsmuskeltraining, und ich habe es dann auch ganz gründlich verbuddelt, damit die wild gewordenen Flussnagetüme es nicht entdecken.
Später beobachten wir noch Schwarzspechte. Die sind für das Gemetzel am Fluss allerdings eindeutig nicht verantwortlich.
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Halsmuskeltraining |
Bei
Stilli geht es über die Brücke, damit wir zu dem Kirchlein gelangen, das man schon die ganze Zeit gesehen hat. Das hier ist der Blick vom Waldrand ins Aaretal, zurück in die Richtung, aus der wir kamen. Der kurze Anstieg ist alles, was an diesem Tag an Steigung zu bewältigen ist.
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Vorderer Rein, oberhalb von Freudenau und Stilli |
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Neugierige Beagles bei Brugg |
Auf halber Höhe umrunden wir den
Bruggerberg und steigen sehr idyllisch durch den Buchenwald bis auf 500 Meter. Dort oben finden meine Chefs Schilder: Wir sind jetzt offiziell auf dem
Jura-Höhenweg angelangt, der von Dielsdorf bis zum Genfer See führt.
Und wem begegnen wir da? Lauter glücklichen Beagles, einer neugieriger als der andere!
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Aargauer Beagletreffen |
Wir haben uns ganz fröhlich begrüßt. Grüezi, mitanand', ihr Süßen!
Ich bin in diesem Getümmel ganz links.
Meine Chefs haben gerechnet: Da wir auf der ersten Tour in der Schweiz gleich drei Beagles getroffen haben, und auf 17 Touren in Deutschland nur einen (bei Bad Herrenalb), begegnet man in der Schweiz rein statistisch 51-mal mehr Beagles als in Deutschland.
Man könnte das auch auf Kilometer umrechnen: Ein Beagle auf 262 Kilometer gegenüber dreien auf 21 Kilometer, das macht immer noch 37,4-mal mehr Beagles in der Schweiz als in Deutschland.
Ganz klar: Die Schweiz ist das Beagleparadies! Hier leben eben die Eidgenossen. Und "Genossen", das klingt doch schon fast wie "Meute", oder?
Ich guck' gleich mal, ob es in Brugg noch mehr Beagles gibt, sehe aber nur Brücken über die Aare; von denen hat Brugg nämlich seinen Namen. Ich finde Brücken praktisch - zum Rüberschwimmen ist es schließlich viel zu kalt! Früher musste man an jeder Brücke Zoll bezahlen; heute muss man das nicht mal mehr zwischen Deutschland und der Schweiz.
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Blick auf Brugg, vom Bruggerberg |
Von dieser Aussichtsstelle führt ein holpriger Weg direkt zum
Schwarzen Turm von Brugg, durch die Altstadt (mit Café, wo die Chefs Kaffee und Kuchen bekommen) und dann zum
Bahnhof.
Wir haben Schwierigkeiten mit dem
Fahrkartenautomaten, der bei der ec-Karte fragt, ob wir mit Schweizer Franken oder US-Dollars bezahlen wollen. Da kaufen wir den Fahrschein doch lieber direkt im Bahnhof - Samstag nachmittag sind mehrere Fahrkartenschalter besetzt, und die supernette Schweizerin verkauft uns ruckzuck das passende Ticket: Zwei Erwachsene und ein Hund fahren von Brugg nach Koblenz für 26,20 Schweizer Franken. Mit Umsteigen in Turgi. Geht alles ganz rasant und pünktlich - so saust der ganze Weg des Tages in 20 Minuten an uns vorbei. Die Züge fahren ganz regelmäßig alle halbe Stunde. Toller Service!
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Bahnfahren in der Schweiz |
Der Zug würde uns glatt bis Waldshut bringen, aber wir steigen in Koblenz ins Auto und schmuggeln mich zurück über die Grenze. Ich mach mich ganz klein. Liebe Schweizer, ich bin kein bisschen tollwütig, weil die Tierärztin mich regelmäßig impft, ganz echt gechippt und total legal, nur meine Chefin ist eine olle Vergesserin.
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Beagle in der Box |
Ist auch alles gut gegangen. Keine Kontrollen, keine Verhaftung, keine Quarantäne, der ganze Stress umsonst, und nach einer Viertelstunde Fahrt können wir uns im Quartier gemütlich entspannen.