Mittwoch, 4. Mai 2016

Ohne Hund in Singapur

Frühling 2016. Meine Chefs waren weg. Ohne mich. In einem fremden Land mit ziemlich wehrhaften Affen (die Chefin meint allerdings, sie hätte keine Affen gesehen; das war wohl früher mal).
Fries zur Geschichte von Singapur im Fort Canning Park

Und wo die Menschen gleich viersprachig vor Gefahren warnen. Die haben nämlich zu wenig Hunde, die rechtzeitig bellen.
Englisch-Chinesisch-Tamil-Malayisch: Warnschild Singapur
 Aus Sicherheitsgründen schippern die Luxusschiffe dort heutzutage durch die Wolken, und wer das nötige Kleingeld hat, kann ganz ohne Seekrankheit eine Außenkabine darunter buchen.
Marina Bay Sands Hotel
 Abends erholt man sich im Park an der Küste bei Licht- und Tonshow von den Wanderungen durch die Tropenstadt. Total schön und Hunde an der Leine dürfen sogar mit (mehr über Hunde in Singapur auf Englisch auf dem Blog von Vanillapup).
Supertrees, Gardens by the Bay
 Da meine Chefs ewige Strecken durch die Stadt getigert sind, mit MRT und Bus unterwegs waren und in Restaurants und Malls abhängen wollten (da gibt es Klimaanlagen!) und sogar noch auf Stippvisiste in Thailand waren, haben sie mich klugerweise in unserer Lieblingshundepension gelassen: Urlaub mit anderen Vierbeinern ohne Flug und Tropenklima - das war garantiert besser für alle Beteiligten.
Ausflugsboote für die Inseln vor Krabi, Thailand
 Am liebsten hätten sie aus Singapur einen Babybeagle mitgebracht: Meine Chefin ging in eine Tierhandlung, und tatsächlich - hinter den Käfigen mit den Vögeln und den schlappen Kaninchen (viel zu heiß) kamen die mit den Welpen. Ein Beaglewelpe, höchstens 8 Wochen alt, hockte dort ganz allein in seinem Winzlingskäfig. In Deutschland hätte man sofort den Tierschutz alarmiert und das Tierchen dort rausgeholt. Aber in Singapur?

Dafür haben sie aus Chinatown was Komisches mitgebracht, bei dem ich mir noch nicht so sicher bin, ob es lebt oder nicht. Zumal es irgendwie nach Räucherstäbchen riecht:
Angeblich bringen Drachen Glück. Aber der hier ist einfach nur total frech.
Macht sich glatt in meinem Körbchen breit.
Ich weiß nicht, ob das so richtig ist.

Zum Glück darf er nicht mit uns spazierengehen. Meine Chefs haben aus Singapur die Sonne mitgebracht und sind ordentlich gelaufen, wenn auch meist auf Asphalt. Jetzt wollen sie wieder Natur in Europa. Die Wandersaison kann losgehen - ich bin bereit!


Sonntag, 20. März 2016

Märzspaziergang im Eyachtal: Das Wasserwegle

März 2016. Im Nordschwarzwald liegen nur noch kleine Schneereste, die wir bei der Anfahrt über den Dobel sehen. Meine Chefs wollen frische Forellen, und wir wissen genau, wo es die gibt, nämlich im Eyachtal. Diesmal wollen wir vorher das Tal jenseits der Eyachmühle erkunden, ganz ungewohnt ohne Karte, Kompass und Navi, immer der Nase nach. Mein perfekter Beagle-Tag!

Am Anfang spazieren wir einfach nur von der Mühle aus die Straße entlang, aber meine Chefin, die noch nie einen Sumpf ausgelassen hat, entdeckt natürlich die Brücke mit dem Wegweiser "Wasserwegle".
 Das müssen wir gleich ausprobieren, und hier ist es wirklich viel lustiger als auf der anderen Seite. Nur ich muss dauern auf meine Chefs warten.
 Dieser Spaziergang würde Ayka gefallen! Wir erklären diesen Weg zum "Labradorwegle".
 Beagles haben aber auch ihren Spaß, denn natürlich kommen ganz viele Tiere zum Trinken hier herunter. Also gibt es viel zu Schnuffeln.
 Und Biber dürften sich ebenfalls wohlfühlen - aber Nagespuren wie an der Aare haben wir nicht entdeckt.
 Ich bin schon drüben. Meine Menschen untersuchen noch den Übergang (Tipp: etwas weiter oben am kleinen Bach kommt man mit einem Schritt bequem rüber, ganz ohne wacklige Steine). Dahinter wartet eine wunderschöne, große Wiese. Kinderwagenfreundlich ist die Strecke definitiv nicht, aber alle Kinder, die vier bis fünf Kilometer zu Fuß bewältigen, dürften jede Menge Spaß haben.

Zurück über die Eyach geht es sowieso nur auf äußerst bedenklichem Weg.
 Mitten in der Landschaft blühen einfach so ein paar Krokusse. Vielleicht stand hier mal ein Haus?
 Irgendwann führt ein holpriger Fahrweg bergan, und wir stoßen auf halber Höhe auf den bequemen Eyachtalweg. Von dem aus geht später ein Wegweiser zum "Wasserwegle" ab - der Abstieg ist besonders zu Beginn deutlich steiler, als das Foto verrät.
Hier oben verlaufen jede Menge Wanderwege, darunter der Westweg zwischen Eyachmühle und Kaltenbronn, wo wir schon mehrfach gelandet sind. Doch so weit wollen wir heute nicht - zumal es dort immer noch ein etliche Grade frischer ist. Und wir brauchen ja noch unsere Forellen!

Samstag, 6. Februar 2016

Im grünen Labyrinth von Nébias

Jahreswechsel 2015/16. Meine Chefs haben mich entführt. Wir sind ganz weit mit dem Auto gefahren. Schwupp, schon waren wir an der Schweiz vorbei.
Ich durfte am Strand toben - am Mittelmeerstrand! Da verbrennt man sich im Winter gar nicht die Pfoten. Aber das war noch nicht das Ziel. Denn meine Chefs wollten mit mir noch weiter in den Süden. Nach Carcassonne, wo Frauen fette Schweine über die Burgmauern werfen (oder so - ich habe genau gesucht, aber leider kein Schwein vor der Burg gefunden).
Eine Wintertour nach Südfrankreich ist doppelt nett. Erstens gibt es tatsächlich kein Silvesterfeuerwerk - die Franzosen feuerwerken lieber am Nationalfeiertag im Juli! Klasse. Ich will jetzt immer nach Frankreich zu Silvester!

Zweitens konnten meine Chefs nach Herzenslust alles angucken, was sie wollen, auch Museen und Kirchen, und mich problemlos im Auto lassen. Es gibt aber auch hundefreundliche Eckchen, und davon möchte ich heute eines vorstellen: Das Labyrinth vert von Nébias.
 Grünes Labyrinth? Meine Chefs wundern sich noch, aber zum Glück haben sie mich!
 Hier geht's rein!
 Mehr Grün braucht weder Hund noch Mensch.
 Meine Chefin meint, das sei ein verwunschener Elfenwald.

So sieht das Labyrinth von außen aus. Alles harmlos. Und wir sind relativ schnell durch.
 Die Franzosen sind schlau - ihre Wegweiser kann man nach rechts und links anbringen:
Einfach auf den Kopf stellen.
Die Wegweiser braucht man wirklich, denn es gibt noch diverse andere Abschnitte, die immer unübersichtlicher werden.

Am nächsten Eingang ist ein überdimensionaler Anleinring.
He, ihr werdet mich doch nicht hierlassen?
 Nein, wir gehen weiter. Und wir verlaufen uns genauso gründlich wie die Wanderergruppe, die hier auch unterwegs ist.
 Hier darf man lang (weißer Punkt am Baum). Das urige Moos darf man übrigens nicht abrupfen - alles steht unter Naturschutz.
 Hier geht es nicht lang (gelbes Kreuz).
Hier geht gar nichts (sogar für mich zu eng).

Die schönste Stelle im Labyrinth haben wir nicht fotografiert, denn da sammelten sich auf einmal alle möglichen anderen Wanderer, die wir zuvor nur hin und wieder gehört (und gerochen!) haben.

Ein paar von ihnen hatten Champagner und echte Gläser dabei und stießen auf das neue Jahr an. So viele fröhliche Neujahrswünsche haben wir selten erhalten: "Bonne année tout le monde."
 Ich schnuppere ganz wild den Spuren hinterher. Es raschelt kräftig, und schon springt ein weißer Hund heraus, der gleich wieder verschwunden ist. Meine Chefin hat ihn gerade noch erwischt.
Kurz darauf folgt sein Kollege, der sich wenigstens beschnüffeln lässt.
Auch wieder weg... Meine Chefin hört andere Leute nach den Hunden rufen und rufen und rufen. Dabei sind das gar keine Beagles gewesen. 
Hier haben die Steine sogar Namen. Und verrückte Symbole, damit man sich nicht noch mehr verläuft.

Die Tour ist mit circa zwei Stunden angegeben. Wer alle Abstecher macht oder sich verläuft, kann länger brauchen. Es gibt unterwegs nirgendwo Wasser, und auf den Schildern wird gewarnt, dass man unbedingt genug zu trinken und Sonnenschutz mitnehmen soll.

Romantikern und Mittelalterfans können wir bestätigen: Ja, es sieht wirklich so aus. Im Winter, so ganz abseits der Touristenströme, ist Carcassonne ein prima Reiseziel für Menschen mit Hund.

Samstag, 31. Oktober 2015

Ortenauer Weinweg (5/1): Auf der Flucht vor dem Herbstwald

Oktober 2015. An einem wunderschönen Sonntag stand die fünfte Etappe des Ortenauer Weinwegs auf dem Programm. Diesmal haben wir schlau vorher in Herztal bei Oberkirch übernachtet, um uns ohne lange Anfahrt nach dem Frühstück auf den Weg zu machen. Gemächlich steigen wir bergan zur Judas-Thadäus-Kapelle, wo wir unsere Tour aufnehmen. Gleich zu Anfang hängt an einem Weingut ein Besen.
Das heißt nicht etwa, dass dieser Hausbesitzer seine Kehrwoche nicht erledigt hat (in Baden-Württemberg fegt man bitteschön jedes Wochenende den Gehweg) und auch nicht, dass hier die Hex' vom Dasenstein hängen geblieben ist, sondern es ist eine andere Besonderheit im deutschen Südwesten, die es so auch in der Südpfalz gibt: Eine "Besenwirtschaft" darf zu bestimmten Zeiten im Jahr die eigenen Produkte nicht nur verkaufen, sondern auch auftischen. Zum Wein darf es dann natürlich auch eine Kleinigkeit zu essen geben. Nur das ganze Jahr darf nicht geöffnet sein. Wenn der Wirt offen hat, hängt er einen Besen ans Schild. In anderen Gegenden wird ein Strauß rausgehängt - dann ist es eine "Straußenwirtschaft".
Wir kommen nicht recht voran, weil meine Chefin dauernd fotografieren will. Die meisten Trauben sind Mitte Oktober schon abgeerntet. 
Der geschäftstüchtige Winzer hat seine Besen wirklich überall aufgehängt. Denn die Konkurrenz ist groß im Schlemmerland der Ortenau. Ein paar Trauben hängen noch und erhoffen sich wohl eine Karriere als Spätlese oder gar Eiswein.
Wir ziehen an der Kapelle St. Wendelin vorbei, zu der es heute noch einen Wallfahrtsritt gibt. Der heilige Wendelin hat nämlich auch das Vieh beschützt, war ein Schutzpatron der Bedrängten, der Pilger und der Hirten. Kurz dahinter stoßen wir im Wald auf ein Marienheiligtum mit diversen Madonnen, Engelchen und vielen Blumen.
Man könnte hier auch auf den Renchtalsteig abbiegen, der in sieben bis acht Stunden zu gen Hugenhöfen führt, uns aber VIEL zu lang erscheint.Uns steht der Sinn nach einem gemächlichen Sonntagsvergnügen, und so folgen wir lieber unserem Weinweg. der auch prompt einen Grillplatz touchiert.
Ich muss mir genau beschnuppern, was hier so pieksig herumliegt. Die Bäume bewerfen uns heute mit Eicheln und Esskastanien (Maronen), und ich muss stellenweise sehr gut aufpassen, wohin ich meine Pfoten setze. Einmal überlegt meine Chefin echt, ob sie mich ein Stück tragen soll, weil ich so eierig laufe, aber das wäre doch zu peinlich.
Trotzdem: Es knackt und piekt und klackert ringsherum so sehr, dass ich froh bin, wenn wir aus dem Wald in die Weinberge treten. Die Aussicht ist nicht sensationell, auch das Straßburger Münster ist allenfalls zu erahnen. Wie schon so oft auf diesem Weg ist es bei schönem Wetter eher diesig, aber mild und angenehm. Meinen Chefs gefällt die verwunschene Stimmung an der Teufelskapelle.
In dem dunklen Wald dort hinten (wo Kinder begeistert Maronen sammeln), landen wir mit einem Mal auf einem Sagenweg, der zum Beispiel erklärt, was es mit dem Teufelsstein auf sich hat (ein verrückter Streit zwischen dem Teufel und einem Männlein, das sich am Ende als St. Wendlin entpuppt). Die Spuren der Teufelskrallen sind angeblich in diesem Stein zu sehen.
Ich schnuppere tüchtig, aber es stinkt nichts mehr nach Schwefel. Auch unter der Bank im Wald, auf der wir uns nach dem anschließenden etwas steileren Anstieg ausruhen, riecht es lediglich zum Buddeln gut. Wäre doch gut möglich, dass jemand hier ein Salamibrot verloren hat, oder?
An dieser Stelle muss ich mal einer Bemerkung zur Inkompatibilität von Frühaufstehern mit Hund und Freizeitsportlern loswerden. Auf dem Ortenauer Weinweg sind nämlich am Sonntagmorgen jede Menge Mountainbiker unterwegs, meistens ziemlich fix und in Trupps von drei bis sechs Radlern. Wenn die mit Karacho einen Hang herunter fegen oder um die Kurve biegen, muss man sich in Sicherheit bringen.

Das dürfen die natürlich, denn der Weg ist auch für Radfahrer freigegeben. Aber eben auch für Wanderer. Ein Hund muss da aufs Wort hören oder ständig an der Leine sein (es gibt ja auch Hunde, die keine freiheitsdurstigen Beagles sind). Reiter und Jogger haben wir später auch getroffen, doch die sind deutlich berechenbarer als die Radfahrer und treten nicht gleich in Massen auf.
Wer den Radfahrern gern ausweichen möchte, sollte später losziehen als wir. Denn die Radler nutzen gern die frühen Stunden des Tages, wenn noch nicht so viel los ist, damit sie freie Bahn haben. 
Das Schwarze Kreuz bei Nesselried  ist ein unheimlicher Ort. In dunklen Nächten steht dort ein schwarzer Ritter mit Schwert und Schild, und wenn der Wanderer an ihm vorbeigeht, reißt der Ritter sein Schwert in die Höhe und zieht es so scharf herunter, dass der Wanderer vor Schreck in Ohnmacht fällt. Wacht er wieder auf, dann steht am Waldrand eine liebliche Jungfrau und winkt, aber der Wanderer ist wie gelähmt und kann erst am Morgen mit dem ersten Geläut seinen Weg fortsetzen.

Die klugen Nesselrieder haben deshalb an dem Kreuz auch eine kleine Schutzhütte errichtet. Also gibt es keinerlei Grund, sich auf den Ritter und sein unglückliches Jungfräulein einzulassen!

Wenig später erreichen wir Schloss Staufenberg. Darauf haben sich meine Chefs schon richtig gefreut. Nicht etwa, weil der wilde Wein so hübsch aussieht. Das Schloss ist rund 1000 Jahre alt und gehört dem Markgrafen von Baden, der rundherum ausgesprochen leckeren badischen Wein zieht.
Meine Menschen müssen das natürlich gleich versuchen und freuen sich, dass die zünftige Weinstube schon ab 11 Uhr geöffnet ist. Das Essen schmeckt auch sehr fein und ist durchaus erschwinglich.

Man kann in dem Schloss auch heiraten. Ob das aber so empfehlenswert ist? 
Auf dem Sagenweg haben wir nämlich auch die Geschichte von der Melusine gelesen. Das war eine wunderschöne Jungfrau, die gern erlöst werden wollte - nur leider war ihr Auserkorener ein Hasenfuß und heiratete eine andere (was ihm gar nicht gut bekam). Wobei eine Frau mit Krötenkopf und Drachenschwanz nun einmal nicht jedermanns Sache ist. Die Frage ist, welche Hochzeit ihm am Ende besser bekommen wäre.
Etappe 5 vom Ortenauer Weinweg geht eigentlich durch Durbach bis fast nach Offenburg. Wir haben dieses eine Mal das Auto am Gasthof stehen lassen und spazieren nach dem Mittagessen gemütlich zurück, wobei wir wahren Völkerscharen begegnen. Diesen idyllischen Zipfel im "Ländle" wissen eben viele zu schätzen. Ein guter Grund, die Etappen nur ganz klein anzulegen - so können wir öfter wiederkommen!