Freitag, 3. April 2015

Harz statt Toskana - die verhexte Frühjahrstour (Teil 1)

März 2015. Wandern in der Toskana hatten meine Chefs mir versprochen. Wir waren schon durch den Schweizer Dauerregen durch und haben feudal im Bereich der oberitalienischen Seen genächtigt. Das Hotel war schwer zu finden, aber umso schöner:
Nun gut, meine Chefs waren glücklich, aber mir war die ganze Geschichte eine Spur zu vornehm.
Wahrscheinlich habe ich schon geahnt, was danach kam. Statt gemütlich wie geplant in die Toskana zu reisen, wird meine Chefin hektisch, telefoniert in der Weltgeschichte herum, und auf einmal fahren wir andersrum (ihrer Meinung nach "richtig rum").

Dann ist sie weg, und wir treffen uns erst Tage später am Harz wieder. Da kann man auch Urlaub machen. Okay. Mich fragt ja keiner so wirklich. Stört mich aber auch nicht. Zuerst haben wir gleich mal bei Thale die Teufelsmauer besucht.
Da ragen fette, zerklüftete Steine wie Saurierzähne aus dem Boden - ganz schön eindrucksvoll! Wir laufen sehr früh vom Parkplatz bei Weddersleben los, direkt an der Bode (kleiner Fluss mit Bade- und Trinkplatz). Nach kurzem Spaziergang beginnt ein Treppenaufstieg zur "Mauer".
Mich interessiert eher, ob jemand hier etwas Essbares verloren hat. Mein Chef hat bereits herausgefunden, dass es im Harz sehr leckere Würste gibt.
Wohingegen meine Chefin am liebsten jeden Stein einzeln ablichten würde.
Wieso hier so motivationslos so viele Steine rumliegen? Nun, da gibt es zum Beispiel die Sage, der zufolge der Teufel seine Hexen im Harz beschützen wollte. Die Sache mit dem Naturschutz war ja früher noch nicht so verbreitet. Also dachte er, er zieht einfach in finsterer Nacht eine Mauer um den ganzen Harz.

Nur hat er wohl die Sache mit der Sommer- und Winterzeit durcheinandergebracht (die hat uns dieses Wochenende auch irritiert). Jedenfalls marschierte eine Bäuerin in aller Frühe mit einem  Hahn im Korb zum Markt. Als sie den Teufel sah, erschrak sie so, dass der Korb herunterfiel, der Hahn krähte empört, und der Teufel zertrümmerte vor lauter Wut seine eigene Mauer. Geduld war offenbar nicht seine Stärke. Aber nachdem mich neulich der Hahn in die Nase gepickt habe, sind mir die Viecher auch suspekt.
Geologen haben andere Erklärungen.
Auf alle Fälle ist das Ding ziemlich lang. Man kann den kompletten Teufelsmauer-Stieg entlang marschieren, der sich über etliche Kilometer durch Felder und Wälder zieht und schöne Ausblicke auf die kleinen Städte des Harzvorlands und den Harz selbst ermöglicht. Wir hatten an diesem Tag aber noch eine andere Tour vor und haben es deshalb bei einem kurzen Rundgang belassen.
Irgendwie war der Teufel mit seinen Naturschutzambitionen seiner Zeit weit voraus. Heute ist hier alles geschützt, denn die Teufelsmauer steht auf Sandboden mit interessanter Vegetation und offenbar auch vielen Wildbienen. Also leider kein lustiger Kletterplatz für Kinder.
 Der Sand gefällt mir gut! Ob wir wohl dieses Jahr noch in die Toskana kommen?
Übrigens lohnt es sich wirklich, früh hier zu sein. Als wir zum Parkplatz zurückkommen (an einem Samstagmorgen Ende März), wird gerade der Imbisswagen aufgebaut, und es kommt bereits der erste Bus voller Gäste. Es ist also schnell vorbei mit der magischen Stimmung und dem ungestörten Herumschlendern.


Kommentare:

  1. Echt keine Toscana? Hoffentlich ist nichts schlimmes passiert. Ich halte dir die Pfote damit es doch noch möglich wird in diesem Jahr.
    Die Teufelsmauer begeistert - könnte uns auch gefallen.
    Herzliche Ostergrüssenasenstupse von Ayka und ihren Menschen

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Echt keine Toskana, Ayka! Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Im Nachhinein war es weniger schlimm als befürchtet, aber meine Chefin war trotzdem froh über ihre Entscheidung. Und im Harz haben wir wenigstens noch ein paar neue Ecken der Welt erkunden können.
      Ostergrüßli aus dem Dauerregen vom Cookie
      mit seinen hyperaktiven Chefs

      Löschen