Sonntag, 9. März 2014

Ortenauer Weinpfad (2): Durchs Baden-Badener Rebland nach Bühlertal

März 2014. Im Murgtal bei Gernsbach, wo wir ja schon öfter waren, haben wir den Anfang des Ortenauer Weinpfads bemerkt. Vor einem halben Jahr haben wir zur Reifezeit der Trauben ganz heimlich die erste Etappe zurückgelegt, die meine Chefin eigentlich im Laufe des Winters posten wollte - nur kam sie nie dazu. Nun haben wir uns quasi selbst überholt; darum gibt es die zweite Etappe in herrlichster Frühlingssonne vor der ersten im Septemberlicht.


Wir beginnen im Zentrum von Baden-Baden am Kurhaus - entweder mit Bahn und Bus zum Leopoldsplatz fahren oder in einem Parkhaus parken. Tipp: Das Parkhaus Congress am Augustaplatz hat oben kostenlose Toiletten! Ich brauche so was ja nicht, aber der Rest der Meute hat sich darüber sehr gefreut.

Anschließend geht es durch die Lichtentaler Allee in Richtung Kurhaus und Trinkhalle, und dann bergauf durch den Park (Foto oben) zur Stourdza-Kapelle, wo man einen hübschen Blick auf das Alte Schloss und die Battertfelsen hat. Den enthalten wir euch jedoch vor, weil es dahinter bereits in den Wald geht. Wir umrunden den Friesenberg in Richtung Beutig immer parallel zum Michelbach, wo wiederholt kleine Weiher zum Trinken einladen.

Die Senke mit mehreren Bacharmen, kleinen Seen und Bänken, die am Waldsee südwärts beginnt, ist der ideale Platz für wasserliebende Labradore (hallo, Ayka!).

Wer ab Juni in diesem Bereich vorbeikommt, sollte laut meiner Chefin unbedingt einen Abstecher zum Rosenneuheitengarten machen, wo jährlich die schönsten Rosen prämiert werden. Es kostet ein kleines bisschen Eintritt, und Hunde dürfen nicht rein. Das ist doof, denn wenn meine Chefin herrliche Rosen sieht, vergisst sie die Zeit... (so wie jetzt, denn dieses Bild ist nicht im März entstanden, sondern im Juni).


Immerhin schnuppert sie dort an jeder Blüte und kann endlich mal nachvollziehen, wie es einem schnupperigen Beagle in der Welt ergeht, wo es einfach an jeder Ecke so spannend riecht.

Ich finde den Krötenschutzzaun spannender.
Die Kröten, Frösche und Salamander, die sich in die Eimer verlaufen sollten, haben aber schon andere Interessenten weggeholt.
Sie sind auf dem Weg zum Michelbach, der gut erzogene Hunde, die kommen, wenn man sie ruft, hier im Tal zum Spielen einlädt.

Wir treffen auch prompt eine patschnasse bayerische Gebirgsschweißhündin, die mangels Schussfestigkeit ein herrliches Leben bei ihrer Zweitbesitzerin führt. Mit der verstehe ich mich gleich - ich bin ja auch nicht schussfest.

Anschließend beansprucht der Golfplatz einen großen Teil des Tals und drängt uns ein paar hundert Meter an die Straße ab. An der Entenstallhütte (kleine Schutzhütte ganz ohne Enten) könnte man zum Fremersberg mit Ausflugslokal hinaufsteigen. Wir setzen jedoch unseren Weg fort und marschieren über vermatschte Waldwege zum Waldparkplatz. Dort kann man auf großen Bänken mit Grillplatz bestens pausieren.
Hier endet der Wald, und wir stoßen ins Baden-Badener Rebland vor. Das sind eingemeindete Dörfer und Städtchen, die am Westrand des Schwarzwalds oberhalb der Rheinebene liegen und ganz auf Weinbau eingestellt sind. Von nun an sind regelmäßig Tafeln aufgestellt, die über die Gegend und den hier angebauten Wein informieren (schließlich sind wir ja auf einem Weinwanderweg). Mir reicht frisches Wasser!
Da hinten erinnert die Josefskapelle an vertriebene Banater Schwaben, die es nach dem 2. Weltkrieg teilweise auch nach Baden verschlug. Ein kompliziertes Kapitel deutscher Geschichte, meint meine Chefin.
Oben auf dem Berg thront die Yburg. Ein saftiger Aufstieg, den uns der Weg glücklicherweise erspart. 
Habt ihr gesehen, dass die Rebstöcke hier total ausgelichtet sind? Nur jeweils ein Trieb bleibt stehen. Die Schnittarbeiten sind voll im Gang. Teilweise liegen die Zweige noch zwischen den Stöcken.

Auf dem Bild unten wurde nur geschnitten; die alten Triebe hängen noch auf den Drähten. Da haben die Winzer in den nächsten Tagen noch viel zu tun.
Rückblick in Richtung Fremersberg und Waldrand:

Allmählich meldet sich der Hunger, doch der Weg streift das Örtchen Varnhalt nur. Meine Chefs reiben sich verblüfft die Augen, denn hier hat jemand mit viel Akribie ein Mini-Schwarzwald-Dorf in eine Felswand gebaut. Mit Eisenbahn, Wasserrad und Kapelle.

Für Kinder gibt es hier jede Menge zu gucken. Und es regt dazu an, das Rheintal zu verlassen und tiefer in den Schwarzwald vorzudringen - zwei Täler weiter sieht es wirklich so aus.

Wir umrunden weiter die Yburg und laufen dabei an Umweg vorbei. Mein Chef sagt, dort unten stehen offizielle Schilder, auf denen steht "Umweg - Baden-Baden", aber das ist kein bisschen Umweg, sondern der direkte Weg nach Umweg.

Gut, dass Hunde niemals auf Um- oder Abwege geraten können!
Immer wieder liegen Stapel mit Rebholz am Wegesrand. Mir sind die Knüppel ein wenig zu dick.
Der Weinpfad windet sich um alle Örtchen und nach wie vor um die Yburg herum und führt erst im idyllischen Neuweier endlich mitten in den nächsten Ort. Mein Chef würde am liebsten im Schloss einkehren (guter Wein!!!), aber dann sehen alle schon von weitem ein Gasthaus nahe der Kirche. Das ist unser Ziel!
Eine gute Entscheidung! Das Landhotel "Traube" ist nämlich vielfach prämiert und bietet köstliches Essen mit phantasievollen Namen - da ist schon das Lesen der Speisekarte ein Genuss.

Auch als verschwitzte Wanderer mit Hund werden wir ausgesprochen freundlich aufgenommen. Meine Chefs bekommen endlich ihren feinen Riesling, sogar einen vom Schloss, und können über die verschiedenen Sorten fachsimpeln. Wir kommen bestimmt wieder!
Nach ausgiebiger Erholungspause nehmen wir das letzte Wegstück in Angriff, auf Seitenstraßen weiter zu den nächsten Weinbergen, wo unterhalb der Fatima-Kapelle der berühmte Affentaler Wein wächst.

Affen am Schwarzwaldrand? Wir treffen erst einmal einen ziemlich großen Beagle, der uns schon aus einiger Entfernung fröhlich entgegenwedelt und die Beagledichte in Deutschland anhebt.
Aber die Sache mit dem Affental lässt meinen Chefs keine Ruhe. Des Rätsels Lösung: In der Nähe des mittelalterlichen Klosterweinbergs stand eine Kapelle, die regelmäßig zum Ave Maria-Gebet läutete. Das Tal, wo man dieses Geläut hörte, hieß dann bei den Leuten rasch das "Ave Tal".

Was die Hamburger Flagge jedoch in diesem Weinberg zu suchen hat, erschließt sich uns nicht.

Hier hat sich mal wieder ein Jäger verkünstelt. Der Hochsitz ist so filigran, dass es einen hochgeklappten Haltebügel gibt, wahrscheinlich damit der Jäger nicht herunterpurzelt, wenn er auf dem Ansitz einnickt.

Ich will weiter, denn ich bevorzuge andere Jagdmethoden. Gebt mir eine Spur!

Um den Weg zu finden, brauchen wir keine Fährte, sondern können uns fest auf das Symbol mit der blauen Traube auf roter Raute verlassen, das getreulich zeigt, wo es weitergeht.

Der hier wachsende blaue Spätburgunder stammt als älteste Traube der Welt angeblich aus dem ägyptischen Niltal und kam über die Römer und das Burgund irgendwann bis nach Deutschland.



Kurz vor Bühlertal passieren wir die Statue der weinenden Madonna von La Salette, die im 19. Jahrhundert in einem französischen Alpendorf zwei Hirtenkindern erschienen sein soll.

Der Pfarrer von Bühlertal-Altschweier, Paul Herb, hat diesen Wallfahrtsort besucht, und als während der großen Flurbereinigung in den 70er Jahren alte Kapellen und Wegkreuze verschwanden, beschloss die Gemeinde, hier eine Gedenkstätte zu errichten, der die französischen Statuen nachahmt und an das Heiligtum erinnert.

Es ist ein stiller Ort in einem Einschnitt zwischen den Weinbergen, der auch daran erinnern soll, wie mühsam die Arbeit hier mit den Terrassen, Treppchen und Trockenmauern vor der Flurbereinigung war.
Kurz darauf erreichen wir Bühlertal-Untertal, unser heutiges Ziel. Offiziell geht diese Etappe noch ein Stückchen weiter, aber wir wollten nicht ganz zum Schluss noch zur Burg Windeck hochkeuchen. Zum Einlaufen für die Wandersaison waren die rund 16 Kilometer mit wenig Steigung und Gefälle uns genau recht.










Kommentare:

  1. Danke fürs Mitnehmen,
    Dank eurer Beschreibung konnten wir eure Wanderung ein bisschen miterleben, muss herrlich sein da in den Rebbergen. Waldsee inbegriffen, da schlägt das Labradorherz natürlich besonders stürmisch.
    Apropo, oben auf dem Berg liegt noch viel Schee, also weichen auch wir auf Mittllandwege aus.
    Gute Tage wünscht
    Ayka und Co

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    1. Danke fürs Mitlaufen in Gedanken, Ayka! Auf dem sonnigen Abschnitt durchs Rebland kann ein nasser Hund auch prima wieder trocknen. Und danke für die Schneestandsmeldung. Dann warten wir noch ein Weilchen.
      Grüße aus dem Rheintal
      Cookie und Meute

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